Du stehst vor deiner Hauswand und siehst es zum ersten Mal: Dutzende geflügelte Ameisen kriechen aus einer kleinen Ritze im Mauerwerk. Ein paar Stunden später sind es Hunderte. Das ist kein schöner Anblick, und die Frage kommt sofort: Muss ich mir jetzt wirklich Sorgen machen?
Die gute Nachricht vorab: Fliegende Ameisen im Mauerwerk sind häufig harmloser als gedacht. Aber sie können auch ein Zeichen für ein tiefer liegendes Problem sein, das du kennen solltest. Dieser Artikel erklärt dir, warum Ameisen ins Mauerwerk ziehen, was du dagegen tun kannst und wie du ein Wiederkommen verhinderst.
- Fliegende Ameisen sind Geschlechtstiere (Könige und Königinnen), die zum Hochzeitsflug ausziehen
- Mauerwerk ist ein beliebter Nistplatz: trocken, geschützt, stabil
- Schwarze Wegameisen sind harmlos für die Bausubstanz, Rote Waldameisen und Zimmerameisen können Schäden verursachen
- Hausmittel helfen bei kleinen Nestern, bei größeren Kolonien brauchst du professionelle Hilfe
- Risse und Feuchtigkeit im Mauerwerk sind die häufigsten Einladungen für Ameisennester
Warum kommen fliegende Ameisen aus dem Mauerwerk?
Was du siehst, wenn Hunderte geflügelte Ameisen aus dem Mauerwerk quellen, ist kein Einbruch von draußen. Es ist genau das Gegenteil: Du erlebst einen Auszug. Die geflügelten Tiere sind Männchen (Drohnen) und junge Königinnen, die das bestehende Nest verlassen, um sich zu paaren und neue Kolonien zu gründen. Dieses Phänomen nennt sich Hochzeitsflug und findet bei den meisten Ameisenarten einmal im Jahr statt, meist zwischen Juni und August bei warmem, schwerem Wetter.
Das bedeutet: Wenn du fliegende Ameisen siehst, hat sich bereits seit Monaten oder Jahren ein Nest in deiner Mauer etabliert. Die Arbeiterinnen haben das Nest aufgebaut, es gepflegt und eine Kolonie großgezogen. Erst wenn diese Kolonie groß genug ist, produziert sie Geschlechtstiere für den Hochzeitsflug.
Was macht Mauerwerk so attraktiv für Ameisen?
Ameisen suchen Nistplätze, die warm, trocken und geschützt sind. Altes Mauerwerk erfüllt diese Kriterien oft besser als du denkst. Risse im Putz, Fugen zwischen Steinen, hohle Stellen hinter Verblendsteinen oder der Raum hinter der Außendämmung bieten ideale Bedingungen. Besonders betroffen sind häufig südlich ausgerichtete Wände, die tagsüber viel Sonne abbekommen.
Feuchte Stellen mögen Ameisen übrigens nicht. Wer also vermutet, dass Feuchtigkeit im Mauerwerk die Ameisen angelockt hat, liegt oft falsch. Eher ist es umgekehrt: Die Ameisen suchen die trockenen Bereiche. Feuchtigkeit deutet dann auf ein anderes Problem hin.
Welche Ameisenarten sind im Mauerwerk zu finden?
Die häufigste Art im deutschen Mauerwerk ist die Schwarze Wegameise (Lasius niger). Sie ist für die Bausubstanz weitgehend harmlos, nistet aber gerne in Fugen und Rissen. Problematischer sind zwei andere Arten.
Die Zimmerameise (Camponotus herculeanus) greift als einzige heimische Ameisenart tatsächlich Holz an. Wenn sich ihr Nest in Holzbalken, Fensterrahmen oder Dachstuhl befindet, kann sie echte Schäden verursachen. Typisches Erkennungszeichen: grobes Sägemehl (sogenanntes „Frass“) unter befallenen Holzteilen.
Die Pharaoameise (Monomorium pharaonis) ist eine eingeschleppte Art, die bevorzugt in beheizten Gebäuden nistet. Sie ist besonders schwer zu bekämpfen und braucht in der Regel professionelle Hilfe.
Bekämpfung: Was wirklich hilft
Hausmittel für kleine Nester
Bei einem kleinen, frischen Nest an einer zugänglichen Stelle kannst du zunächst mit Hausmitteln versuchen, die Ameisen zu vertreiben. Wichtig zu wissen: Die meisten Hausmittel vertreiben die Tiere nur, töten das Nest aber nicht ab. Wenn du dauerhaft Ruhe haben willst, musst du die Ursache beheben.
- Backpulver oder Natron in die Einfallstelle streuen: Die alkalische Substanz stört die Duftspur der Ameisen und die Tiere meiden die Stelle
- Zimtpulver oder Zimtöl direkt auf und um die Eintrittsstelle: Cinnamon enthält Eugenol, das Ameisen auf Distanz hält
- Chilipulver oder Pfefferpulver direkt in die Risse streuen: Die Schärfe-Verbindungen irritieren das Nervensystem der Ameisen
- Kreide oder Talkum an der Außenwand: Ameisen überqueren keine Kreidestrich-Barrieren gerne, weil das feine Pulver ihre Fühler verstopft
Diese Methoden funktionieren am besten als erste Maßnahme oder als Ergänzung zur Abdichtung. Allein reichen sie selten aus, wenn sich ein großes Nest etabliert hat.
Ameisenmittel aus dem Fachhandel
Wirksamere Optionen sind Köderfallen und Insektizide aus dem Baumarkt oder der Apotheke. Hier ist ein genauer Blick wichtig.
Köderboxen mit Thiamethoxam oder Imidacloprid funktionieren nach dem Schleppköder-Prinzip: Die Arbeiterinnen nehmen das vergiftete Futter mit ins Nest und vergiften damit schrittweise die gesamte Kolonie inklusive Königin. Das dauert 2 bis 4 Wochen, ist aber die einzige Methode, die das Nest tatsächlich nachhaltig eliminiert. Marken wie Nexa Lotte Ameisengift oder Celaflor Ameisenfrei bieten solche Produkte an.
Sprühmittel und Gele wirken schneller, töten aber nur die Tiere, die direkt getroffen werden. Das Nest bleibt intakt und die Königin produziert weiter Nachwuchs. Als kurzfristige Maßnahme sinnvoll, als dauerhafte Lösung nicht ausreichend.
Wann du einen Kammerjäger brauchst
Bei folgenden Anzeichen solltest du keinen Umweg nehmen und direkt einen Schädlingsbekämpfer anrufen.
- Du findest Spuren von Zimmerameisen (großes Sägemehl, Gänge in Holz)
- Das Nest ist nicht zugänglich oder sitzt tief im Mauerwerk
- Selbstversuche über vier bis sechs Wochen haben nichts gebracht
- Du siehst Ameisenzüge an mehreren Stellen gleichzeitig
- Es handelt sich um ein Mehrfamilienhaus oder gewerbliches Gebäude (hier gelten oft gesetzliche Meldepflichten)
Ein professioneller Schädlingsbekämpfer kann die Ameisenart bestimmen, das Nest lokalisieren und gezielt behandeln. Die Kosten liegen je nach Aufwand zwischen 100 und 400 Euro. Im Vergleich zu potenziellen Bauschäden durch unbehandelte Zimmerameisen ist das gut investiertes Geld.
Ähnliche Überlegungen gelten übrigens auch bei anderen ungebetenen Gästen im Haus. Wenn du schon dabei bist, die Gebäudehülle zu überprüfen, lohnt sich auch ein Blick auf Staubläuse und wie du deren Nest findest, die ebenfalls gerne in verborgenen Stellen nisten.
Prävention: Ameisen dauerhaft aus dem Mauerwerk fernhalten
Wer einmal Ameisen im Mauerwerk hatte, will das nicht ein zweites Mal erleben. Die entscheidende Frage: Warum haben sich die Tiere überhaupt angesiedelt? Wenn du diese Ursache behebst, verschwindest du dauerhaft vom Radar der Ameisen.
Risse und Fugen abdichten
Jeder Riss im Putz, jede offene Fuge zwischen Steinen ist eine potenzielle Eintrittsstelle. Kleinere Risse lassen sich mit Acryl- oder Silikonmasse abdichten. Größere Risse im Außenputz solltest du mit einem geeigneten Sanierputz fachgerecht schließen lassen. Kontrolliere einmal jährlich die gesamte Außenfassade, besonders nach einem langen Winter.
Hohlfugen zwischen Ziegeln sind ein häufig übersehenes Problem. In älteren Häusern verhärtet der Fugenmörtel mit der Zeit, reißt ein und bildet kleine Hohlräume. Nachfugen mit frischem Mörtel schließt diese Lücken und nimmt Ameisen den Lebensraum.
Vegetation von der Hauswand fernhalten
Pflanzen, die direkt an der Hauswand wachsen, sind natürliche Brücken für Ameisen. Kletterpflanzen, Büsche und Bäume, deren Äste das Gebäude berühren, bieten direkten Zugang zum Mauerwerk. Halte einen Mindestabstand von 50 cm zwischen Pflanzenwuchs und Fassade ein.
Blattläuse auf Pflanzen nahe der Hauswand sind ein zusätzlicher Anreiz: Ameisen züchten Blattläuse regelrecht, weil diese einen süßen Honigtau absondern. Wer Blattlausbefall auf Fassadenpflanzen hat, lockt damit gleichzeitig Ameisen in Wandnähe. Wenn du auch Schädlinge im Innenbereich im Blick hast, findest du bei kleinen braunen Käfern in der Wohnung ähnliche Prinzipien zur Ursachenfindung.
Holz vor Feuchtigkeit schützen
Zimmerameisen bevorzugen Holz, das bereits durch Feuchtigkeit vorgeschädigt ist. Wer Fensterrahmen, Holzverkleidungen und Dachstuhlbereiche regelmäßig auf Feuchtigkeitsschäden überprüft und diese sofort behebt, nimmt Zimmerameisen die bevorzugte Nistgrundlage. Regelmäßige Holzpflege mit geeigneten Lasuren oder Farben schützt zusätzlich.
Natürliche Abschreckung rund ums Haus
Einige Pflanzen wirken auf Ameisen abstoßend und können strategisch rund ums Haus gepflanzt werden. Lavendel, Katzenminze und Pfefferminze enthalten ätherische Öle, die Ameisen meiden. Sie sehen gut aus, riechen angenehm und halten gleichzeitig unerwünschte Insekten auf Distanz.
Fazit
Fliegende Ameisen aus dem Mauerwerk klingen schlimmer als sie meist sind. In den meisten Fällen handelt es sich um harmlose Schwarze Wegameisen, die für Beton und Stein keine echte Gefahr darstellen. Trotzdem solltest du das Problem nicht einfach ignorieren, denn ein gut etabliertes Nest kann groß werden und schwer zugänglich sein.
Reagiere zügig: Lokalisiere die Eintrittsstellen, probiere Köderboxen als erste Maßnahme und dichte anschließend die Risse und Fugen ab. Wenn du nach vier bis sechs Wochen keine Verbesserung siehst, oder wenn du Anzeichen für Zimmerameisen findest, hol dir einen Schädlingsbekämpfer. Die Kosten dafür sind überschaubar, mögliche Holzschäden durch zu langes Warten aber nicht.
Langfristig ist Prävention der beste Schutz: Eine intakte Fassade ohne Risse, kein direkter Pflanzenkontakt und gepflegtes Holz machen dein Haus für Ameisen uninteressant.
FAQ: Häufige Fragen zu fliegenden Ameisen im Mauerwerk
Wie lange dauert der Ameisen-Hochzeitsflug?
Der Hochzeitsflug selbst dauert meist nur wenige Stunden bis einen Tag. Die geflügelten Ameisen verlassen das Nest, paaren sich in der Luft und die befruchteten Königinnen landen dann auf der Suche nach einem neuen Nistplatz. Das Spektakel kann sich bei einer Kolonie über zwei bis drei Tage hinziehen, ist aber kein Dauerproblem.
Können Ameisen mein Mauerwerk wirklich beschädigen?
Die häufigste Art, die Schwarze Wegameise, beschädigt kein Mauerwerk. Sie nutzt bestehende Risse und Hohlräume, erweitert sie aber nicht aktiv. Anders sieht es bei der Zimmerameise aus: Sie gräbt Gänge in Holz und kann Balken und Rahmen über Jahre hinweg erheblich schwächen. Deshalb ist die Artbestimmung wichtig.
Sind fliegende Ameisen das gleiche wie Termiten?
Nein, aber die Verwechslung passiert häufig. Beide haben Flügel und können ähnlich groß sein. Der Unterschied: Ameisen haben eine deutlich eingeschnürte Taille (wie eine Wespentaille), Termiten haben einen gleichmäßig breiten Körper ohne Einschnürung. Termiten gibt es in Deutschland so gut wie nicht in freier Natur, eingeschleppte Exemplare im Holzhandel ausgenommen.
Was tun, wenn sich die Ameisen nach der Bekämpfung woanders im Haus ansiedeln?
Das ist ein Zeichen, dass du das Nest nicht vollständig eliminiert hast oder dass mehrere Nester existieren. Pharaoameisen sind besonders bekannt dafür: Werden sie an einer Stelle gestört, teilt sich die Kolonie und siedelt sich an mehreren neuen Stellen an. Bei diesem Verhalten solltest du sofort einen Schädlingsbekämpfer einschalten und keine Sprühmittel mehr verwenden, da diese die Aufsplitterung begünstigen.
Wann ist der beste Zeitpunkt zur Bekämpfung von Ameisennestern?
Der Frühjahr (März bis Mai) ist ideal, wenn die Nester noch klein sind und die Kolonie gerade erwacht. Dann sind Köderboxen besonders wirksam, weil die Tiere aktiv nach Nahrung suchen. Nach dem Hochzeitsflug im Sommer ist es schwieriger, weil das Nest in der Hochphase ist. Im Herbst reduzieren Ameisen ihre Aktivität und sind schlechter erreichbar.
