- Fensterkitt muss vollständig ausgehärtet sein, bevor er gestrichen werden kann, das dauert je nach Produkt 3–21 Tage
- Kreidiger oder poröser Altkitt muss zuerst entfernt werden, darüber streichen bringt nichts
- Nur lösungsmittelbasierte Farbe (Alkydharzlack) haftet dauerhaft auf Fensterkitt
- Dispersionsfarbe und Acrylfarbe haften nicht zuverlässig, sie platzen nach kurzer Zeit ab
- Frischen Kitt immer leicht abdecken mit einem dünnen Ölfarbe-Voranstrich, bevor Deckfarbe aufgetragen wird
Frisch aufgebrachter Fensterkitt sieht erst mal unfertig aus. Die graue oder beige Masse am Holzfensterrahmen will gestrichen sein, damit sie schützt und optisch zum Rest passt. Aber wer zu früh zur Farbrolle greift oder die falsche Farbe nimmt, hat bald abplatzende Farbe und Kitt, der sich vom Rahmen löst.
Der Trick liegt darin, die Aushärtezeit abzuwarten und das richtige Farbprodukt zu wählen. Beides klingt banal, aber viele Heimwerker machen genau hier Fehler.
Wann ist Fensterkitt bereit zum Überstreichen?
Fensterkitt braucht Zeit zum Aushärten, und die hängt stark vom verwendeten Produkt ab. Klassischer Leinölkitt (Glaserkitt) braucht an einem trockenen Sommertag bei 20°C etwa 2–3 Wochen, bis er ausgehärtet genug ist. Im Herbst oder bei Feuchtigkeit kann das 4–6 Wochen dauern. Moderner Synthetik-Kitt auf Acrylbasis ist schneller, oft schon nach 3–7 Tagen überarbeitbar.
Den Härtungsgrad testen: Drücke mit dem Fingernagel auf den Kitt. Hinterlässt du eine Delle, ist er noch zu weich. Gibt er keinen Abdruck mehr ab, ist er bereit. Ein weiterer Test: Berühre den Kitt mit einem feuchten Tuch. Wenn er noch weich und etwas klebt, warte lieber noch ein paar Tage.
Alten Kitt überstreichen: Wann ja, wann nein?
Vorhandener Altfensterkitt kann überstrichen werden, wenn er noch fest am Rahmen haftet und keine Risse oder bröseligen Stellen hat. Einfach abschleifen, Staub entfernen und mit Alkydharzlack grundieren.
Nicht überstreichen, wenn der Kitt kreidig ausläuft, sich in Flocken abblättert, von der Scheibe oder dem Holz abhebt oder durchgehend rissig ist. In diesen Fällen musst du den alten Kitt komplett entfernen, neue Kitt einbringen und warten.

Welche Farbe für Fensterkitt?
Das ist der entscheidende Punkt: Nur lösungsmittelbasierter Alkydharzlack (umgangssprachlich Ölfarbe) haftet dauerhaft auf Fensterkitt. Der Grund liegt in der chemischen Verwandtschaft: Leinölkitt und Alkydharzlack sind beide leinölbasiert und verbinden sich dauerhaft.
Acrylfarbe oder Dispersionsfarbe auf Kitt aufzutragen klingt praktisch, weil Acryl schnell trocknet und wasserverdünnbar ist. In der Praxis aber haftet Acryl auf Leinölkitt nicht dauerhaft. Nach einer Heizperiode oder einem Sommer mit direkter Sonneneinstrahlung beginnt die Farbe abzuplatzen.
Ausnahme: Synthetik-Kitt auf Acrylbasis verträgt sich mit Acrylfarbe. Schau in der Produktbeschreibung des Kitts nach, welche Farbe empfohlen wird.
Schritt für Schritt: Fensterkitt richtig überstreichen
Vorbereiten: Den ausgehärteten Kitt mit feinem Schleifpapier (120er Körnung) leicht anschleifen. Das verbessert die Haftung. Staub danach mit einem trockenen Pinsel oder Tuch entfernen.
Grundieren: Trage zuerst einen Voranstrich aus verdünntem Alkydharzlack auf den Kitt auf. Verhältnis etwa 1 Teil Farbe, 1 Teil Verdünner (Terpentin oder Lackbenzin). Der Voranstrich zieht ins Material ein und versiegelt die poröse Oberfläche. Trocknungszeit mindestens 12 Stunden.
Deckfarbe auftragen: Danach die Deckfarbe unverdünnt auftragen. Mit einem schmalen Flachpinsel (20–25 mm) arbeitest du präzise entlang der Glaskante. Streiche so, dass die Farbe wenige Millimeter auf das Glas überlappt. Das verhindert, dass Wasser zwischen Kitt und Glas eindringt.
Zweiter Anstrich: Bei Fensterkitt immer zwei Schichten auftragen. Die erste Schicht deckt gleichmäßig, die zweite versiegelt vollständig. Zwischen den Schichten mindestens 24 Stunden warten.
Häufige Fehler beim Fensterkitt streichen
Zu früh gestrichen: Wer frischen Kitt bereits nach einem Tag streicht, versiegelt ihn, bevor er vollständig ausgehärtet ist. Das führt zu Blasenbildung, Rissen und schlechter Haftung.
Dispersionsfarbe verwenden: Hält auf Leinölkitt nicht dauerhaft. Die Oberfläche sieht zunächst gut aus, platzt aber innerhalb eines Jahres ab.
Über die Glasscheibe streichen ohne abzukleben: Sieht unordentlich aus. Entweder mit Malerkrepp abkleben oder danach mit einer Rasierklinge die Farbe von der Scheibe kratzen.
Fazit
Fensterkitt überstreichen klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber ein Schritt, der Geduld und das richtige Material erfordert. Kitt vollständig aushärten lassen, mit feinem Schleifpapier anschleifen, Voranstrich mit verdünntem Alkydharzlack auftragen, dann zweimal Deckfarbe. Wer das beherzigt, hat einen Anstrich, der viele Jahre hält und den Fensterrahmen dauerhaft schützt.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lange muss ich auf das Überstreichen warten?
Bei klassischem Leinölkitt mindestens 2 Wochen im Sommer, bis zu 6 Wochen bei Kälte und Feuchtigkeit. Synthetik-Kitt auf Acrylbasis ist oft nach 3–7 Tagen überarbeitbar. Die Hersteller geben auf der Verpackung meist eine Mindest-Aushärtezeit an.
Kann ich Latexfarbe auf Fensterkitt streichen?
Latexfarbe ist eine Variante der Dispersionsfarbe und haftet auf Leinölkitt genauso schlecht. Für dauerhaften Schutz immer zu Alkydharzlack greifen, sofern der Kitt leinölbasiert ist.
Was mache ich wenn die alte Farbe blättert aber der Kitt noch gut sitzt?
Alte abgeplatzte Farbe mit einem Spachtel und Drahtbürste entfernen, glatt schmirgeln, Voranstrich aufbringen und neu streichen. Wenn der Kitt dabei teilweise mit abgeht, diese Stellen nachkitten und warten.
Darf ich Fensterkitt im Winter streichen?
Unter 8°C solltest du nicht streichen: Alkydharzlack trocknet dann zu langsam oder gar nicht richtig. Wähle einen trockenen Tag mit mindestens 10°C und keiner direkten Sonneneinstrahlung auf den nassen Anstrich.
