Das Wichtigste in Kürze
- Fensterkitt eignet sich vor allem für Holzfenster und die klassische Glasfalzverglasung
- Silikon ist die bessere Wahl bei Kunststoff- und Alufenstern sowie bei Anschlussfugen
- Leinölkitt trocknet langsam (mehrere Wochen), Silikon ist nach 24 Stunden ausgehärtet
- Fensterkitt lässt sich überstreichen, Silikon in der Regel nicht
- Für Altbaufenster und Denkmalschutz führt an klassischem Kitt oft kein Weg vorbei
Alte Holzfenster verlieren ihren Kitt, die Zugluft pfeift durch die Ritzen und du fragst dich: Soll ich klassischen Fensterkitt nehmen oder doch lieber Silikon? Beide Materialien haben ihre Berechtigung, aber sie eignen sich für völlig unterschiedliche Einsatzzwecke. In diesem Ratgeber erfährst du, wann welches Material die bessere Wahl ist und wie du es richtig verarbeitest.
Was ist Fensterkitt und wofür wird er verwendet?
Fensterkitt, auch Glaserkitt genannt, ist eine formbare Dichtmasse aus Kreide und Leinöl. Seit Jahrhunderten nutzen Glaser dieses Material, um Scheiben in Holzrahmen einzubetten und abzudichten. Der Kitt wird in den sogenannten Glasfalz gedrückt und bildet nach dem Aushärten eine feste, aber leicht elastische Verbindung zwischen Glas und Rahmen.
Neben dem klassischen Leinölkitt gibt es heute weitere Varianten. Polyurethan-Kitt haftet besonders gut auf verschiedenen Untergründen und bleibt dauerhaft elastisch. Acrylkitt lässt sich problemlos überstreichen und eignet sich für Übergangsbereiche. Und silikonbasierter Fensterkitt kombiniert die Eigenschaften beider Welten, wobei er sich nicht mehr überstreichen lässt.
Der größte Vorteil von klassischem Fensterkitt: Du kannst ihn nach dem Aushärten problemlos schleifen und mit Fensterlack überstreichen. Gerade bei Holzfenstern entsteht so ein sauberes, einheitliches Bild.
Silikon als Fensterkitt Alternative
Silikon ist ein synthetischer Dichtstoff auf Basis von Silikonharzen. Im Vergleich zu Fensterkitt bringt es einige handfeste Vorteile mit. Es bleibt dauerhaft elastisch, ist UV-beständig und haftet auf Glas, Holz, Metall und Kunststoff gleichermaßen gut. Temperaturwechsel machen Silikon nichts aus, weil es sich ausdehnt und wieder zusammenzieht, ohne zu reißen.
Klingt erstmal so, als wäre Silikon die klare Nummer eins. Ganz so einfach ist es aber nicht. Silikon lässt sich nicht überstreichen, und das ist bei Holzfenstern ein echtes Problem. Außerdem löst sich Silikon auf manchen Untergründen mit der Zeit, wenn die Oberfläche nicht richtig vorbereitet wurde. Und auf Kitt, der noch im Falz sitzt, haftet Silikon schlecht bis gar nicht.
Trotzdem gibt es Situationen, in denen Silikon eindeutig die bessere Wahl ist. Bei Kunststoff- und Aluminiumfenstern, bei Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk oder bei Fensterbänken spielt Silikon seine Stärken voll aus.
Fensterkitt oder Silikon: Der direkte Vergleich
Damit du schnell die richtige Entscheidung treffen kannst, hier die wichtigsten Eigenschaften im Überblick.
Haltbarkeit und Elastizität
Klassischer Leinölkitt hält bei guter Pflege 15 bis 25 Jahre. Allerdings wird er mit der Zeit spröde und kann reißen, besonders wenn die Holzrahmen arbeiten. Silikon bleibt dagegen über die gesamte Lebensdauer elastisch und hält typischerweise 20 bis 30 Jahre, ohne dass du nachbessern musst.
Verarbeitungszeit
Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Leinölkitt braucht mehrere Wochen, bis er vollständig durchgetrocknet ist. Erst dann kannst du ihn schleifen und überstreichen. Silikon hingegen bildet bereits nach wenigen Stunden eine Haut und ist nach etwa 24 Stunden komplett ausgehärtet.
Überstreichbarkeit
Ein klarer Punkt für den Fensterkitt. Leinölkitt und Acrylkitt lassen sich problemlos mit Fensterlack überstreichen. Bei Silikon funktioniert das nicht. Es gibt zwar sogenanntes überstreichbares Silikon, aber die Ergebnisse sind oft unbefriedigend. Wenn du Holzfenster streichst, ist klassischer Kitt deshalb die deutlich sauberere Lösung.
Kosten
Fensterkitt ist günstiger als Silikon. Ein Kilogramm Leinölkitt kostet zwischen 5 und 10 Euro. Für eine Kartusche gutes Fenstersilikon zahlst du 8 bis 15 Euro. Polyurethan-Kitt und Spezialdichtstoffe liegen preislich dazwischen, Premium-Produkte wie silanterminierte Polymere können auch 15 bis 25 Euro pro Kartusche kosten.
Witterungsbeständigkeit
Silikon ist hier klar im Vorteil. Es verträgt UV-Strahlung, Frost und Hitze, ohne seine Eigenschaften zu verlieren. Fensterkitt reagiert empfindlicher auf extreme Witterung. Starke Sonneneinstrahlung trocknet ihn aus, Frost kann zu Rissen führen. Regelmäßiger Farbanstrich schützt den Kitt allerdings zuverlässig.
Wann du Fensterkitt verwenden solltest
Fensterkitt ist die richtige Wahl in diesen Situationen:
- Du hast alte Holzfenster mit klassischer Glasfalzverglasung
- Das Fenster steht unter Denkmalschutz und muss originalgetreu erhalten bleiben
- Du willst die Fenster anschließend streichen oder lackieren
- Es geht um die Verglasung selbst, also die Verbindung zwischen Scheibe und Holzrahmen
- Du möchtest Fensterkitt erneuern, der brüchig geworden ist
Gerade bei Altbausanierungen ist Leinölkitt oft die einzig sinnvolle Option. Moderne Alternativen mögen technisch überlegen sein, aber sie passen optisch und handwerklich nicht immer zum Charakter alter Fenster.
Wann Silikon die bessere Wahl ist
Greif zum Silikon, wenn eine dieser Situationen zutrifft:
- Du dichtest Kunststoff- oder Aluminiumfenster ab
- Es geht um die Fuge zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk
- Du arbeitest an Fensterbänken oder Anschlüssen im Außenbereich
- Die Fuge muss dauerhaft elastisch bleiben, weil sich die Bauteile bewegen
- Du brauchst eine schnelle Lösung, die innerhalb von 24 Stunden belastbar ist
Achte beim Kauf darauf, dass du echtes Fenstersilikon verwendest und kein Sanitärsilikon. Fenstersilikon ist speziell für die Anforderungen im Fensterbereich formuliert und enthält in der Regel einen Fungizidschutz.
Acryl als dritte Option
Neben Fensterkitt und Silikon gibt es noch Acryl-Dichtstoff. Acryl lässt sich wie Kitt überstreichen, ist aber elastischer als klassischer Leinölkitt. Das klingt nach dem besten aus beiden Welten, hat aber einen Haken: Acryl ist nicht so witterungsbeständig wie Silikon und schrumpft beim Trocknen leicht. Für Innenbereiche und übergangsweise Abdichtungen ist Acryl eine brauchbare Lösung, für die dauerhafte Außenabdichtung eher nicht.
Wenn du unsicher bist, ob Acryl oder Silikon für dein Projekt passt, hilft eine einfache Faustregel: Muss die Fuge gestrichen werden? Dann Acryl. Muss sie dauerhaft dicht und elastisch sein? Dann Silikon.
Fenster kitten: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du alten Fensterkitt erneuern willst, geh am besten systematisch vor. Mit der richtigen Vorbereitung hält die neue Verkittung wieder Jahrzehnte.
1. Alten Kitt entfernen
Kratze den brüchigen Kitt vorsichtig mit einem Stechbeitel oder Kittmesser aus dem Glasfalz. Bei hartnäckigen Resten hilft ein Heißluftfön auf niedriger Stufe. Pass auf, dass du die Scheibe nicht beschädigst, und arbeite lieber langsam und gründlich.
2. Glasfalz reinigen und schleifen
Bürste den Falz sauber und schleife ihn leicht mit feinem Schleifpapier (Körnung 120 bis 150) an. So haftet der neue Kitt deutlich besser. Entferne anschließend den Schleifstaub mit einem trockenen Tuch.
3. Grundierung auftragen
Trage einen schnelltrocknenden Grundanstrich auf den blanken Holzfalz auf. Die Grundierung verhindert, dass das Holz dem Kitt zu schnell das Öl entzieht, was die Haltbarkeit enorm verbessert.
4. Kitt einarbeiten
Knete den Fensterkitt in den Händen durch, bis er geschmeidig ist. Drücke ihn mit dem Daumen oder einem Kittmesser gleichmäßig in den Falz. Achte darauf, dass keine Luftblasen entstehen und der Kitt lückenlos an Glas und Holz anliegt.
5. Sauber abziehen
Ziehe den Kitt mit einem angefeuchteten Kittmesser in einem gleichmäßigen Winkel ab. Die Oberfläche sollte leicht nach außen geneigt sein, damit Regenwasser ablaufen kann. Das ist besonders bei Fenstern an der Wetterseite wichtig.
6. Trocknen lassen und streichen
Lass den Kitt je nach Produkt mehrere Tage bis Wochen durchtrocknen, bevor du ihn mit Fensterlack überstreichst. Der Anstrich schützt den Kitt vor Witterung und verlängert seine Lebensdauer erheblich.
Wenn du bei der Renovierung auch deine Balkontür nachjustieren musst, findest du dazu eine passende Anleitung auf unserem Blog.
Häufige Fehler beim Fenster abdichten
Diese Fehler siehst du in der Praxis immer wieder. Vermeide sie, und deine Abdichtung hält deutlich länger.
- Silikon auf alten Kitt auftragen. Silikon haftet nicht auf Leinölkitt. Der alte Kitt muss komplett raus, bevor Silikon aufgetragen wird.
- Keine Grundierung verwenden. Ohne Grundierung saugt das Holz das Bindemittel aus dem Kitt und er wird vorzeitig spröde.
- Zu dick auftragen. Mehr ist nicht besser. Eine gleichmäßige, nicht zu dicke Schicht trocknet schneller und hält besser als ein dicker Wulst.
- Bei Nässe oder Frost arbeiten. Sowohl Kitt als auch Silikon brauchen trockene Bedingungen und Temperaturen über 5 Grad Celsius für eine saubere Verarbeitung.
- Falsches Silikon verwenden. Sanitärsilikon ist nicht gleich Fenstersilikon. Achte auf die richtige Produktbezeichnung.
Fazit: Fensterkitt oder Silikon?
Die Antwort hängt von deinem konkreten Projekt ab. Für klassische Holzfenster mit Glasfalzverglasung ist und bleibt Fensterkitt die erste Wahl, besonders wenn du die Fenster anschließend streichen willst. Silikon spielt seine Stärken bei Kunststoff- und Alufenstern, bei Anschlussfugen und überall dort aus, wo dauerhafte Elastizität gefragt ist.
Wenn du alte Fenster sanierst, nimm dir die Zeit, den alten Kitt sauber zu entfernen und den Untergrund ordentlich vorzubereiten. Egal ob Fensterkitt oder Silikon: Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel für eine Abdichtung, die wirklich hält.
FAQ
Kann man Silikon statt Fensterkitt verwenden?
Technisch ja, aber es kommt auf den Einsatzzweck an. Bei Holzfenstern mit Glasfalz ist Fensterkitt die bessere Wahl, weil er sich überstreichen lässt. Bei Kunststoff- oder Alufenstern und bei Anschlussfugen ist Silikon sinnvoller.
Wie lange hält Fensterkitt?
Bei guter Verarbeitung und regelmäßigem Schutzanstrich hält Fensterkitt 15 bis 25 Jahre. Ohne Farbanstrich wird er deutlich schneller spröde und brüchig.
Was kostet es, Fensterkitt zu erneuern?
Das Material ist günstig: Ein Kilogramm Leinölkitt kostet 5 bis 10 Euro und reicht für mehrere Fenster. Wenn du einen Glaser beauftragst, rechne mit 30 bis 60 Euro pro Fenster inklusive Material und Arbeit.
Welches Silikon eignet sich für Fenster?
Verwende spezielles Fenstersilikon (auch Verglasungssilikon genannt) und kein Sanitärsilikon. Fenstersilikon ist UV-beständig, elastisch und für den Außeneinsatz konzipiert.
Kann man Fensterkitt und Silikon kombinieren?
Davon ist abzuraten. Silikon haftet nicht auf Leinölkitt. Wenn du von Kitt auf Silikon wechseln willst, muss der alte Kitt komplett entfernt werden.
