Das Wichtigste in Kürze
- Fensterkitt eignet sich vor allem für Holzfenster und die klassische Glasfalzverglasung
- Silikon ist die bessere Wahl bei Kunststoff- und Alufenstern sowie bei Anschlussfugen
- Leinölkitt härtet langsam aus, Silikon bildet nach Minuten eine Haut, härtet aber erst in einigen Tagen vollständig durch
- Fensterkitt lässt sich überstreichen, Silikon in der Regel nicht
- Für Altbaufenster und Denkmalschutz führt an klassischem Kitt oft kein Weg vorbei
Alte Holzfenster verlieren ihren Kitt, die Zugluft pfeift durch die Ritzen und du fragst dich: Soll ich klassischen Fensterkitt nehmen oder doch lieber Silikon? Beide Materialien haben ihre Berechtigung, aber sie eignen sich für völlig unterschiedliche Einsatzzwecke. In diesem Ratgeber erfährst du, wann welches Material die bessere Wahl ist und worauf es ankommt, wenn alter Kitt erneuert werden soll.
Was ist Fensterkitt und wofür wird er verwendet?
Fensterkitt, auch Glaserkitt genannt, ist eine formbare Dichtmasse aus Kreide und Leinöl. Seit Jahrhunderten nutzen Glaser dieses Material, um Scheiben in Holzrahmen einzubetten und abzudichten. Der Kitt wird in den sogenannten Glasfalz gedrückt und bildet nach dem Aushärten eine feste, aber leicht elastische Verbindung zwischen Glas und Rahmen.
Neben dem klassischen Leinölkitt gibt es heute weitere Varianten. Polyurethan-Kitt haftet besonders gut auf verschiedenen Untergründen und bleibt dauerhaft elastisch. Acrylkitt lässt sich problemlos überstreichen und eignet sich für Übergangsbereiche. Und silikonbasierter Fensterkitt kombiniert die Eigenschaften beider Welten, wobei er sich nicht mehr überstreichen lässt.
Der größte Vorteil von klassischem Fensterkitt ist, dass er sich nach dem Aushärten mit Fensterlack überstreichen lässt. Gerade bei Holzfenstern entsteht so ein sauberes, einheitliches Bild.
Silikon als Fensterkitt Alternative
Silikon ist ein synthetischer Dichtstoff auf Basis von Silikonharzen. Im Vergleich zu Fensterkitt bringt es einige handfeste Vorteile mit. Es bleibt dauerhaft elastisch, ist UV-beständig und haftet auf Glas, Holz, Metall und Kunststoff gleichermaßen gut. Temperaturwechsel machen Silikon nichts aus, weil es sich ausdehnt und wieder zusammenzieht, ohne zu reißen.
Klingt erstmal so, als wäre Silikon die klare Nummer eins. Ganz so einfach ist es aber nicht. Silikon lässt sich nicht überstreichen, und das ist bei Holzfenstern ein echtes Problem. Außerdem löst sich Silikon auf manchen Untergründen mit der Zeit, wenn die Oberfläche nicht richtig vorbereitet wurde. Und auf altem Leinölkitt im Falz ist Silikon keine gute Idee: Ein Hersteller-Datenblatt schließt Untergründe aus, aus denen Öle austreten können.
Trotzdem gibt es Situationen, in denen Silikon eindeutig die bessere Wahl ist. Bei Kunststoff- und Aluminiumfenstern, bei Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk oder bei Fensterbänken spielt Silikon seine Stärken voll aus.
Fensterkitt oder Silikon: Der direkte Vergleich
Damit du schnell die richtige Entscheidung treffen kannst, hier die wichtigsten Eigenschaften im Überblick.
Haltbarkeit und Elastizität
Klassischer Leinölkitt kann bei guter Pflege lange halten; eine feste Lebensdauer lässt sich nicht nennen. Allerdings wird er mit der Zeit spröde und kann reißen, besonders wenn die Holzrahmen arbeiten. Silikon bleibt dagegen lange elastisch. Auch Silikonfugen halten aber nicht unbegrenzt: Kontrolliere sie regelmäßig und erneuere sie, wenn sie sich lösen oder reißen.
Verarbeitungszeit
Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Leinölkitt härtet nur langsam aus. Überstrichen wird er laut IVD-Merkblatt 42 frühestens nach ausreichender Hautbildung und spätestens nach 8 Wochen – maßgeblich ist die Herstellerangabe. Silikon bildet laut Herstellerangaben schon nach etwa 10 bis 20 Minuten eine Haut, härtet aber nur rund 2 mm pro Tag durch – eine übliche Fuge ist deshalb erst nach einigen Tagen vollständig ausgehärtet.
Überstreichbarkeit
Ein klarer Punkt für den Fensterkitt. Leinölkitt und Acrylkitt lassen sich problemlos mit Fensterlack überstreichen. Bei Silikon funktioniert das nicht. Es gibt zwar sogenanntes überstreichbares Silikon, aber ob ein Anstrich darauf hält, hängt vom Produkt ab – das Datenblatt gibt Auskunft. Wenn du Holzfenster streichst, ist klassischer Kitt deshalb die deutlich sauberere Lösung.
Kosten
Beim Material entscheidet der Preis selten: Leinölkitt und Fenstersilikon kosten jeweils überschaubare Beträge. Was du konkret zahlst, hängt von Hersteller, Gebindegröße und Qualität ab – Spezialdichtstoffe können teurer sein.
Witterungsbeständigkeit
Silikon ist hier klar im Vorteil. Es verträgt UV-Strahlung, Frost und Hitze, ohne seine Eigenschaften zu verlieren. Fensterkitt reagiert empfindlicher auf extreme Witterung. Starke Sonneneinstrahlung trocknet ihn aus, Frost kann zu Rissen führen. Regelmäßiger Farbanstrich schützt den Kitt allerdings zuverlässig.
Wann du Fensterkitt verwenden solltest
Fensterkitt ist die richtige Wahl in diesen Situationen:
- Du hast alte Holzfenster mit klassischer Glasfalzverglasung
- Das Fenster steht unter Denkmalschutz und muss originalgetreu erhalten bleiben
- Du willst die Fenster anschließend streichen oder lackieren
- Es geht um die Verglasung selbst, also die Verbindung zwischen Scheibe und Holzrahmen
- Vorhandener Fensterkitt ist brüchig geworden und soll erneuert werden
Gerade bei Altbausanierungen ist Leinölkitt oft die einzig sinnvolle Option. Moderne Alternativen mögen technisch überlegen sein, aber sie passen optisch und handwerklich nicht immer zum Charakter alter Fenster.
Wann Silikon die bessere Wahl ist
Greif zum Silikon, wenn eine dieser Situationen zutrifft:
- Es geht um Kunststoff- oder Aluminiumfenster
- Es geht um die Fuge zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk
- Es geht um Fensterbänke oder Anschlüsse im Außenbereich
- Die Fuge muss dauerhaft elastisch bleiben, weil sich die Bauteile bewegen
- Es muss eine schnellere Lösung her als Leinölkitt, der nur langsam aushärtet
Achte beim Kauf darauf, dass du echtes Fenstersilikon verwendest und kein Sanitärsilikon. Fenstersilikon ist speziell für die Anforderungen im Fensterbereich formuliert; die genauen Eigenschaften stehen im technischen Datenblatt des Herstellers.
Acryl als dritte Option
Neben Fensterkitt und Silikon gibt es noch Acryl-Dichtstoff. Acryl lässt sich wie Kitt überstreichen, ist aber elastischer als klassischer Leinölkitt. Das klingt nach dem besten aus beiden Welten, hat aber einen Haken: Acryl ist nicht so witterungsbeständig wie Silikon und schrumpft beim Trocknen leicht. Für Innenbereiche und übergangsweise Abdichtungen ist Acryl eine brauchbare Lösung, für die dauerhafte Außenabdichtung eher nicht.
Wenn du unsicher bist, ob Acryl oder Silikon für dein Projekt passt, hilft eine einfache Faustregel: Muss die Fuge gestrichen werden? Dann Acryl. Muss sie dauerhaft dicht und elastisch sein? Dann Silikon.
Fensterkitt erneuern: Worauf es ankommt
Brüchiger Kitt, Risse im Glasfalz oder lose Stücke auf der Fensterbank sind typische Zeichen, dass die Verkittung am Ende ist. Dann zieht es, und Regenwasser kann zwischen Scheibe und Holz dringen. Wer an eine Erneuerung denkt, sollte vorher ein paar Punkte klären.
Asbest und Blei zuerst klären. Alter Fensterkitt gilt als asbesthaltig, bis eine Materialprobe das Gegenteil zeigt, und alte Anstriche können Blei enthalten. Lass den Kitt deshalb vor jeder Bearbeitung untersuchen. Asbesthaltigen Kitt entfernt ein Fachbetrieb mit geprüftem Verfahren. Bleihaltige Altanstriche nicht heiß bearbeiten oder trocken schleifen, weil dabei gesundheitsschädlicher Staub entsteht.
Was der Glaser oder Tischler macht. Der Fachbetrieb beurteilt, ob nur der Kitt oder auch Holz und Scheibe Schaden genommen haben. Er entfernt die alte Verkittung, ohne das Glas zu beschädigen, bereitet den Glasfalz vor und behandelt das blanke Holz vor dem neuen Kitt. Diese Vorbehandlung ist wichtig, damit das Holz dem Kitt kein Leinöl entzieht und er nicht vorzeitig spröde wird. Den schützenden Anstrich bekommt der Kitt, sobald sich eine ausreichende Haut gebildet hat.
Worauf du beim Angebot achtest. Frag nach, ob eine Materialprobe auf Asbest eingeplant ist, welcher Kitt verwendet wird und ob der abschließende Anstrich im Preis enthalten ist. Bei Fenstern unter Denkmalschutz lohnt vorab ein Gespräch mit der Denkmalbehörde, welche Materialien dort zulässig sind.
Wenn bei der Renovierung auch deine Balkontür nachjustieren ansteht, findest du dazu einen passenden Ratgeber auf unserem Blog.
Typische Schadensbilder an Fensterfugen
Viele Probleme an Kitt- und Silikonfugen haben dieselben Ursachen. Wenn du sie kennst, kannst du Schäden früher erkennen und ein Angebot besser einordnen.
- Silikon auf altem Kitt. Silikon und ölhaltiger Kitt passen schlecht zusammen: Ein Hersteller-Datenblatt schließt Untergründe aus, aus denen Öle austreten können. Löst sich eine solche Fuge, kann es an dieser Kombination liegen.
- Unbehandeltes Holz im Falz. Ohne Vorbehandlung saugt das Holz das Bindemittel aus dem Kitt und er wird vorzeitig spröde.
- Verarbeitung bei Nässe oder Kälte. Kitt und Silikon brauchen trockene Bedingungen und eine Mindesttemperatur, die der Hersteller im Datenblatt angibt. Wird das missachtet, haftet die Fuge schlecht.
- Fehlender Anstrich. Ungeschützter Leinölkitt trocknet in der Sonne aus und reißt deutlich schneller.
- Falsches Silikon. Sanitärsilikon ist nicht gleich Fenstersilikon. Achte auf die richtige Produktbezeichnung.
Fazit: Fensterkitt oder Silikon?
Die Antwort hängt von deinem konkreten Projekt ab. Für klassische Holzfenster mit Glasfalzverglasung ist und bleibt Fensterkitt die erste Wahl, besonders wenn du die Fenster anschließend streichen willst. Silikon spielt seine Stärken bei Kunststoff- und Alufenstern, bei Anschlussfugen und überall dort aus, wo dauerhafte Elastizität gefragt ist.
Bei alten Fenstern gehört vor jeder Erneuerung die Frage nach Asbest im Kitt und Blei im Anstrich geklärt. Die eigentliche Arbeit am Glasfalz übernimmt am besten ein Glaser oder Tischler, der Untergrund, Material und Anstrich aufeinander abstimmt. Egal ob Fensterkitt oder Silikon: Die richtige Materialwahl und eine fachgerechte Vorbereitung entscheiden darüber, wie lange die Fuge dicht bleibt.
FAQ
Kann man Silikon statt Fensterkitt verwenden?
Technisch ja, aber es kommt auf den Einsatzzweck an. Bei Holzfenstern mit Glasfalz ist Fensterkitt die bessere Wahl, weil er sich überstreichen lässt. Bei Kunststoff- oder Alufenstern und bei Anschlussfugen ist Silikon sinnvoller.
Wie lange hält Fensterkitt?
Eine feste Zahl gibt es nicht: Wie lange Fensterkitt hält, hängt von Verarbeitung, Witterung und Pflege ab. Der Anstrich schützt den Kitt und erhöht seine Langlebigkeit. Ohne Farbanstrich wird er deutlich schneller spröde und brüchig.
Was kostet es, Fensterkitt zu erneuern?
Das Material selbst ist günstig. Was ein Glaser berechnet, hängt von Fenstergröße, Zustand und einer möglichen Asbestprobe ab – hol dir dazu ein Angebot ein.
Welches Silikon eignet sich für Fenster?
Verwende spezielles Fenstersilikon (auch Verglasungssilikon genannt) und kein Sanitärsilikon. Fenstersilikon ist UV-beständig, elastisch und für den Außeneinsatz konzipiert.
Kann man Fensterkitt und Silikon kombinieren?
Davon ist abzuraten: Ein Hersteller-Datenblatt für Fenstersilikon schließt Untergründe aus, aus denen Öle austreten können. Soll ein Fenster von Kitt auf Silikon umgestellt werden, muss der alte Kitt komplett entfernt werden. Vorher gehört geklärt, ob er Asbest enthält.
Quellen
- Industrieverband Dichtstoffe (IVD): Merkblatt 42, Abschnitt 3 – Kitt auf Leinölbasis im Denkmalschutz – belegt: klassischer Fensterkitt wird aus Leinöl und Kreide hergestellt
- Industrieverband Dichtstoffe (IVD): Merkblatt 42, Abschnitt 7 – Verglasung mit Leinölkitt – belegt: der Glasfalz wird vorgestrichen, damit das Holz dem Kitt kein Leinöl entzieht
- PROBAU (Sievert): Technisches Merkblatt Bau- und Fenster-Silikon – belegt: Bau- und Fenstersilikon ist nicht überstreichbar
- PENOSIL: Technisches Datenblatt Bau- und Fenster-Silikon 330 – belegt: Fenstersilikon hat eine Mindest-Verarbeitungstemperatur laut Datenblatt
- DGUV/IFA: Verfahren BT 42 – Ausbau von asbesthaltigem Kitt im Glasfalz – belegt: alter Fensterkitt im Glasfalz kann Asbest enthalten
- BG BAU: Bleiweißhaltige Beschichtungen auf Holz – belegt: alte Fensteranstriche nicht trocken schleifen oder abbrennen (Bleistaub)
- Glaser-Innung Hamburg: Asbest im Fensterkitt – belegt: alter Kitt gilt als asbesthaltig, bis eine Probe das Gegenteil zeigt
