- Drehmomentwert aus der Fahrzeug- oder Geräte-Anleitung heraussuchen und an der Schlüsselskala einstellen
- Einheit beachten: Nm ist europäischer Standard, lb-ft wird nur bei US-Anleitungen verwendet
- Drehmomentschlüssel ausschließlich zum Anziehen nutzen, nie zum Lösen von Schrauben
- Beim Klick-Signal sofort aufhören, nicht weiterdrehen
- Nach dem Einsatz immer auf Minimum zurückstellen, damit die Innenfeder nicht ermüdet
Beim Reifenwechsel, am Fahrrad oder bei Motorarbeiten kommt es auf das richtige Anzugsmoment an. Zu wenig angezogen und die Schraube lockert sich während der Fahrt, zu viel und das Gewinde reißt. Ein Drehmomentschlüssel löst dieses Problem, aber nur wenn du ihn richtig einstellst.
Das Gute: Die Bedienung ist einfacher als viele denken. Wenn du weißt, wie die Skala funktioniert und worauf du achten musst, dauert das Einstellen keine Minute.
Wie ein Drehmomentschlüssel funktioniert
Im Griffinneren sitzt eine Feder, die auf einen voreingestellten Wert gespannt wird. Erreichst du beim Anziehen dieses Moment, gibt die Feder nach und der Schlüssel klickt. Bei Knickgelenk-Varianten knickt stattdessen der Griff seitlich weg. Beide Signale bedeuten dasselbe: Zielwert erreicht, stopp.
Die gängigsten Bauformen für Heimwerker sind der Klick-Schlüssel mit Einstellring (am verbreitetsten und günstigsten) und der digitale Drehmomentschlüssel mit Display und Signalton. Für die meisten Anwendungen reicht der klassische Klick-Schlüssel vollkommen aus.
Schritt für Schritt: Den Wert einstellen
1. Den richtigen Drehmomentwert finden
Den Sollwert findest du in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs oder Geräts, in Reparaturleitfäden, direkt am Bauteil (oft eingestanzt) oder für gängige Anwendungen online. Typische Richtwerte zum Vergleich: Radmuttern am PKW liegen bei 90–130 Nm, Fahrrad-Tretlager bei 30–50 Nm, Motorrad-Achsmuttern bei 60–80 Nm.
2. Hauptskala und Feinskala ablesen
Halte den Schlüssel gerade und schaue von vorne auf die Skala. Du siehst eine Hauptskala auf dem Griffrohr (meist 10-Nm-Schritte) und eine Noniusskala auf dem drehbaren Einstellring (meist 1-Nm-Schritte). Das Prinzip funktioniert wie eine Schieblehre: Der Strich auf dem Einstellring zeigt den Feinwert an, die Hauptskala den groben Wert.
Willst du zum Beispiel 95 Nm einstellen, drehst du so, dass die 90er-Markierung auf der Hauptskala sichtbar ist und der Feinring auf 5 steht.
3. Schraube gleichmäßig anziehen
Setze den Schlüssel im rechten Winkel zur Schraube an und ziehe ruhig und gleichmäßig. Kein Rucken, kein Schlagen, kein kurzes Zupfen. Ziehe die Kraft aus dem Handgelenk heraus und fahre in einer fließenden Bewegung durch. Sobald es klickt, stopp sofort und bewege den Schlüssel nicht weiter.

4. Bei mehreren Schrauben im Kreuzprinzip vorgehen
Radmuttern oder Flanschverbindungen mit vier oder mehr Schrauben immer über Kreuz anziehen. Erst alle Schrauben handfest, dann alle auf halbes Drehmoment, dann alle auf Volldrehmoment bringen. So verteilt sich die Klemmkraft gleichmäßig und nichts verspannt sich.
Häufige Fehler, die du vermeiden solltest
Drehmomentschlüssel zum Lösen verwenden ist der häufigste Fehler. Das Werkzeug ist ausschließlich für das Anziehen konstruiert. Zum Lösen nimmst du einen normalen Ratschenkasten oder Knebel, andernfalls beschädigst du die innere Mechanik.
Nach dem Klick weiterdrehen ist ebenfalls ein Klassiker. Das Klicken bedeutet: fertig. Wer dann noch dreht, überschreitet das eingestellte Moment und riskiert ein abgerissenes Gewinde oder einen gebrochenen Bolzen.
Verlängerungen verändern das effektive Moment. Wer eine Steckverbindung oder Verlängerung nutzt, muss den Einstellwert korrigieren. Die Formel lautet: M_eingestellt = M_gewünscht × (L ÷ (L + Verlängerung)), wobei L die Grifflänge und Verlängerung die zusätzliche Länge sind.
Falsche Einheit kann teuer werden. 1 Nm entspricht ungefähr 0,74 lb-ft. Bei US-amerikanischen Fahrzeuganleitungen immer prüfen, welche Einheit angegeben ist, und ggf. umrechnen.
Wartung: Schlüssel richtig lagern und kalibrieren
Nach jedem Einsatz das erste tun, was viele vergessen: Den Einstellring auf den Minimalwert zurückdrehen. Eine dauerhaft gespannte Feder verliert ihre Elastizität und der Schlüssel zeigt danach zu niedrige Werte an. Das bedeutet, du ziehst Schrauben zu fest an, ohne es zu merken.
Für den Hobbyeinsatz reicht eine Kalibrierung alle zwei bis drei Jahre oder nach rund 5.000 Auslösungen. Profis, die mit dem Schlüssel täglich arbeiten, sollten ihn jährlich prüfen lassen. DIN EN ISO 6789 schreibt das für gewerbliche Betriebe sogar vor.
Lagerung: Kühl, trocken, nicht in der Sonne oder neben der Heizung. Und immer mit zurückgedrehtem Einstellring in die Box oder Tasche.
Fazit
Einen Drehmomentschlüssel richtig einzustellen ist kein Hexenwerk: Sollwert aus der Anleitung heraussuchen, Hauptskala und Feinring entsprechend einstellen, gleichmäßig anziehen bis es klickt, sofort aufhören. Danach den Einstellring auf Minimum zurückdrehen. Wer das konsequent so macht, hat über Jahre präzise Anzugswerte und kein abgerissenes Gewinde.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich denselben Drehmomentschlüssel für alle Fahrzeuge nutzen?
Ja, solange der benötigte Nm-Bereich im Messbereich des Schlüssels liegt. Die meisten Standard-Schlüssel decken 20–200 Nm ab, was für PKW-Radmuttern und Fahrräder ausreicht. Für sehr geringe Momente (unter 10 Nm) brauchst du einen Drehmoment-Schlüssel speziell für Fahrräder oder Elektronik.
Was passiert, wenn ich nach dem Klicken weiterdrehe?
Du überziehst das Moment. Die Schraube oder der Bolzen werden stärker gespannt als vorgesehen, was zu Gewinde-Schäden, Rissen im Material oder einem abgerissenen Bolzen führen kann. Besonders bei Leichtmetallgewinden ist das ein echtes Risiko.
Wie merke ich, ob mein Drehmomentschlüssel nicht mehr kalibriert ist?
Ein einfacher Test: Stelle den Schlüssel auf einen mittleren Wert (z.B. 50 Nm) und ziehe eine bekannte Verbindung an. Vergleiche danach mit einem kalibrierten zweiten Schlüssel oder lass es von einem Werkzeug-Fachhandel messen. Kalibrierungs-Prüfungen kosten in der Regel 20–40 Euro.
Darf ich einen Drehmomentschlüssel auch für links drehende Gewinde nutzen?
Nur wenn er dafür ausgelegt ist und die Richtungsumschaltung das zulässt. Standard-Klick-Schlüssel sind auf Rechtsgewinde optimiert. Bei Linksgewinden (z.B. Pedal links am Fahrrad) brauchst du einen Schlüssel, der explizit auch für Linksanzug geeignet ist.
