Beim Einzug in den Neubau zeigt sich oft ein Problem, das im Bauplan kaum vorkam: Wohin mit all den Dingen, die im Alltag griffbereit sein sollen, aber nicht offen herumstehen dürfen? Fernbedienungen, Ladekabel, Spiele, Bücher und das Geschirr für den Esstisch im offenen Wohnbereich brauchen einen festen Platz. Wer frühzeitig über Stauraum im Wohnzimmer nachdenkt, erspart sich später improvisierte Lösungen mit Kartons und losen Regalbrettern. Gerade in offen geschnittenen Grundrissen, wie sie in vielen Neubauten inzwischen üblich sind, fehlt häufig die klassische Wand, an der ein Schrank einfach so Platz findet. Dieser Artikel zeigt, wie sich Stauraum schon in der Planungsphase mitdenken lässt und welche Möbellösungen sich dafür in der Praxis eignen.
Warum Stauraum im Wohnzimmer meist erst zu spät auffällt
In der Bauphase stehen Entscheidungen zu Grundriss, Dämmung, Heizungstechnik und Fensteranordnung im Vordergrund. Die Möblierung wird dabei oft als letzter Schritt behandelt, der sich nach Fertigstellung schon irgendwie regeln lässt. Diese Reihenfolge führt dazu, dass der tatsächliche Stauraumbedarf erst sichtbar wird, wenn die Handwerker längst abgezogen sind und der Alltag beginnt.
Dann stapeln sich Umzugskartons, die niemand auspacken kann, weil kein Schrank bereitsteht. Technik, Spielzeug und Kleinkram sammeln sich auf Fensterbänken, dem Boden oder provisorischen Kisten. Was zunächst als Übergangslösung gedacht war, bleibt häufig über Monate bestehen, weil die passende Möbellösung erst danach gesucht und bestellt wird.
Erschwerend kommt hinzu, dass offene Wohn-Ess-Bereiche klassische Schranklösungen zusätzlich erschweren: Ohne durchgehende Wandflächen fehlt die Fläche, an der sich ein Schrank bündig einfügen ließe. Wer erst nach dem Innenausbau nach einem passenden Möbelstück sucht, hat sich damit eine Grundrissfrage selbst verbaut, die sich mit etwas Vorlauf leicht hätte vermeiden lassen.
Offener Grundriss: Welche Grenzen setzt er der Möblierung?
Offene Grundrisse verschieben das Problem von der Wandfläche auf die Möbelwahl selbst. Wo früher eine durchgehende Wand den natürlichen Platz für einen Schrank vorgab, muss das Möbelstück heute oft mitten im Raum funktionieren, ohne den Durchblick zu blockieren und ohne wie ein nachträglich hineingestelltes Fremdkörper zu wirken.
Einbauschränke, die exakt auf eine Nische oder einen Wandabschnitt zugeschnitten sind, stoßen hier an ihre Grenzen: Sie binden sich an feste Maße, die sich bei einer späteren Umgestaltung des Grundrisses kaum anpassen lassen. Jede Änderung an Türbreite, Deckenhöhe oder Wandverlauf macht eine Neuanfertigung nötig, was Einbaulösungen in offenen Bereichen vergleichsweise unflexibel und aufwendig macht. Freistehende Möbel lassen sich dagegen versetzen, austauschen oder bei einem Umzug mitnehmen, ohne dass dafür Maßarbeit nötig wird.
Gleichzeitig übernehmen Möbelstücke in offenen Grundrissen zunehmend eine zweite Aufgabe: Sie teilen den Raum optisch, ohne ihn baulich zu zerschneiden. Angenommen, ein Wohn-Essbereich ist durchgehend sechs Meter breit und besitzt keine Zwischenwand zwischen Sitzecke und Esstisch. Ein ausreichend hohes, aber nicht deckenhohes Möbelstück mit einer moderaten Tiefe lässt sich dort als Trenner positionieren, ohne dass der Raum dadurch in zwei getrennte Zimmer zerfällt. Entscheidend ist dabei das Verhältnis von Höhe zu Tiefe: Zu niedrige Möbel teilen optisch kaum, zu tiefe Möbel wirken als Barriere und nehmen Bewegungsfläche weg.
Wohnzimmerschränke: Flexibler Stauraum ohne Raumdominanz
Wohnzimmerschränke lösen diesen Zielkonflikt, indem sie geschlossene und offene Elemente in einem Möbelstück kombinieren. Geschlossene Fronten nehmen Dinge auf, die nicht ständig sichtbar sein sollen, etwa Ordner, Kabel oder Technikzubehör. Offene Fächer darüber oder daneben bieten Platz für Bücher, Dekoration oder Gegenstände, die im Alltag griffbereit bleiben sollen. Diese Mischung sorgt dafür, dass der Raum aufgeräumt wirkt, ohne komplett geschlossen und damit massiv zu erscheinen.
Für offene Grundrisse ist zusätzlich die Variabilität in Höhe und Breite relevant. Wer eine Fläche zwischen Sitzbereich und Durchgang ausfüllen möchte, braucht ein anderes Format als jemand, der eine komplette Längsseite des Raumes bespielt. Niedrige, breite Varianten wirken in Räumen mit flacher Deckenhöhe ausgewogener, während schmalere, höhere Ausführungen auch in Durchgangsbereichen oder neben Türen Platz finden, ohne den Weg zu versperren. Diese Bandbreite macht es möglich, den Stauraum tatsächlich an die vorhandene Fläche anzupassen, statt den Raum an ein starres Möbelmaß anzupassen.
Wer die freie Wandfläche oder eine Raumteiler-Position im offenen Wohnbereich mit einem Wohnzimmerschrank ausfüllt, verbindet damit zwei Funktionen in einem Schritt: Stauraum für Dinge, die nicht offen liegen sollen, und eine optische Grenze zwischen Wohn- und Essbereich, die sich ohne bauliche Maßnahme umsetzen lässt. Anders als bei einer fest verbauten Lösung bleibt die Position dabei veränderbar, falls sich die Möblierung des Raumes später noch verschiebt.
Holzdekor oder matte Front: Welcher Stil passt zum Neubau?
Helle Holzdekore und matte, einfarbige Fronten prägen aktuell das Bild in vielen Neubauten und Sanierungen. Diese Zurückhaltung in Farbe und Oberfläche hat einen praktischen Hintergrund: Je ruhiger die Fronten gestaltet sind, desto weniger konkurrieren sie mit Fensterfronten, Lichtkonzepten oder offenen Treppen, die in modernen Grundrissen oft ohnehin schon viele visuelle Reize setzen.
Matte Oberflächen haben gegenüber glänzenden Fronten zudem einen pflegerischen Vorteil: Fingerabdrücke und feiner Staub fallen darauf deutlich weniger auf, was bei Möbeln, die täglich geöffnet und berührt werden, über die Nutzungsdauer einen spürbaren Unterschied macht. Helle Holzdekore wiederum reflektieren Licht stärker als dunkle Oberflächen und lassen einen Raum dadurch tendenziell offener wirken, was gerade bei Möbeln von Bedeutung ist, die als Raumteiler fungieren und entsprechend viel Fläche einnehmen.
Die Kombination aus geschlossenen Fronten und offenen Regalelementen verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Durchbrochene Bereiche lassen Licht und Blick teilweise hindurch, statt eine durchgehende Masse zu bilden. Das sorgt für optische Leichtigkeit, selbst wenn das Möbelstück in der Summe über ausreichend Stauraumvolumen verfügt. Wer bei der Planung also sowohl Ordnung als auch einen offenen Raumeindruck erhalten möchte, profitiert von Fronten, die bewusst unauffällig bleiben, statt mit Farbe oder Struktur zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Maße und Lieferzeiten: Wie viel Vorlauf braucht die Möblierung?
Maße gehören früh in die Planung, nicht erst nach Fertigstellung des Rohbaus. Wer erst misst, wenn Estrich, Bodenbelag und Fußleisten fertig sind, verschenkt wertvolle Zeit, die für Auswahl, Bestellung und Lieferung gebraucht wird. Sinnvoller ist es, die vorgesehene Fläche bereits anhand des Grundrissplans grob zu bemessen und erst kurz vor der Bestellung mit dem tatsächlichen Raum abzugleichen, um kleine Abweichungen durch Putz oder Bodenaufbau zu berücksichtigen.
Individuell gefertigte Möbel, besonders solche mit speziellen Maßen für Nischen oder Raumteiler-Positionen, benötigen in der Regel deutlich mehr Vorlauf als Lösungen von der Stange. Diese Zeitspanne sollte fest in die Umzugsplanung eingerechnet werden, statt sie als Puffer am Ende zu behandeln. Wer den Einzugstermin bereits kennt, kann die Bestellung entsprechend rückwärts terminieren und vermeidet, dass das Wohnzimmer über Wochen provisorisch möbliert bleibt.
Für die Praxis helfen folgende Punkte:
- Grundrissmaße für die Wohnzimmerfläche frühzeitig notieren, auch wenn der Innenausbau noch läuft
- Bei geplanten Raumteiler-Lösungen die Durchgangsbreite im Blick behalten, damit genug Bewegungsfläche bleibt
- Lieferzeiten bei individuellen Anfertigungen rechtzeitig erfragen und in den Zeitplan vor dem Einzug einrechnen
- Endmaße erst kurz vor der verbindlichen Bestellung final bestätigen, um Abweichungen durch den Innenausbau auszuschließen
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viel Stauraum braucht ein offenes Wohnzimmer im Vergleich zu einem klassischen Grundriss?
Eine pauschale Menge lässt sich nicht festlegen, da der Bedarf stark von Haushaltsgröße, Mediennutzung und vorhandenen Nebenräumen abhängt. Entscheidender als eine feste Zahl ist die Frage, welche Gegenstände im Wohnzimmer überhaupt verstaut werden sollen und wie oft darauf zugegriffen wird.
Was tun, wenn der Grundriss keine durchgehende Wand für einen Schrank bietet?
In diesem Fall bieten sich freistehende Möbel an, die nicht an eine Wand gebunden sind, sondern als Raumteiler zwischen zwei Funktionsbereichen stehen. Wichtig ist dabei das Verhältnis von Höhe zu Tiefe, damit das Möbelstück trennt, ohne den Raum optisch zu zerschneiden.
Lohnt sich eine Maßanfertigung gegenüber einer Standardlösung?
Das hängt von der Raumsituation ab: Bei unregelmäßigen Nischen oder sehr spezifischen Platzverhältnissen gleicht eine Maßanfertigung Unregelmäßigkeiten aus, die Standardmöbel nicht abdecken können. Bei regelmäßigen, offenen Flächen reicht häufig eine Kombination aus unterschiedlichen Standardbreiten, die sich flexibler austauschen oder erweitern lässt.
Quellen
- Wikipedia: Grundriss (de.wikipedia.org/wiki/Grundriss)
