Der moderne Hausbau steht unter doppeltem Druck. Seit 2024 schreibt das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) vor, dass in neu eingebauten Heizungen zu mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien verbrannt werden. Und die Bauherren suchen nach Wärmequellen, die weniger von Strompreisen und Netzstabilität abhängen. An dieser Nahtstelle wird der alte Kachelofen mit modernem Heizeinsatz zu einem neuen Leben erweckt.
Speichermasse als physikalischer Vorteil
Ein Kachelofen funktioniert ganz anders als ein freistehender Kaminofen. Letzterer gibt die Wärme vor allem als Konvektionswärme ab. Der Kachelofen hat aber einen massiven Speicherkern aus Schamotte oder Speicherstein, der die Wärme der Verbrennung aufnimmt und über viele Stunden als milde Strahlungswärme an den Raum abgibt.
Ein moderner Grundofen hat Speicherzeiten von acht bis zwölf Stunden nach einer zweistündigen Abbrandphase. Die Oberflächentemperatur der Kacheln liegt bei 60 bis 90 °C im Bereich wohltuender Strahlungswärme, ohne die Raumluft aus dem Gleichgewicht zu bringen. Für Niedrigenergie- und KfW-40-Häuser ist diese Eigenart interessant. Dort liegt der Heizwärmebedarf oft unter 40 kWh/(m2 a), was aber klassische Feuerstätten mit hoher Nennwärmeleistung überdimensioniert erscheinen lässt. Ein genau angepasster Heizeinsatz für den Kachelofen mit verringerter Nennleistung von 4 bis 6 kW fügt sich besser in die Wärmebilanz ein und vermeidet Überhitzung des Wohnraums.
Technische Vorgaben an moderne Heizeinsätze
Bereits seit der zweiten Stufe der 1. BImSchV sind strenge Grenzwerte für Feinstaub und Kohlenmonoxid vorgegeben. Ein Heizeinsatz darf nicht mehr als 40 mg Staub und maximal 1250 mg Kohlenmonoxid je m3 Abgas abgeben. Geräte mit DIN-Plus-Zertifizierung oder dem Prüfzeichen nach EN 13229 belegen diese Werte. Die Wirkungsgrade liegen bei heute üblichen Geräten zwischen 80 und gut 85 Prozent, was den Brennstoffverbrauch gegenüber Altgeräten aus den 1990ern um bis zu 40 Prozent senkt.
Wichtig bei der Auswahl sind auch die raumluftunabhängige Betriebsweise (RLU) mit DIBt-Zulassung, eine externe Verbrennungsluftzufuhr und eine automatische Verbrennungsluftsteuerung. Die RLU-Zulassung ist im Neubau beinahe Pflicht. Dichte Gebäudehüllen mit kontrollierter Wohnraumlüftung erzeugen sonst Unterdruck und damit einen gefährlichen Rückstau von Abgasen.
Kombination mit Wärmepumpe und Photovoltaik
In hybriden Heizkonzepten übernimmt die Wärmepumpe die Grundlast, der Kachelofen wird an kalten Tagen zugeschaltet. So wird der Stromverbrauch der Wärmepumpe genau dann gesenkt, wenn ihre Arbeitszahl bei tiefen Außentemperaturen zurückgeht. Beispiele demonstrieren, dass auch ein Kachelofen mit Wassertaschenmodul zur Warmwasserbereitung beitragen kann. Diese wasserführenden Einsätze geben 40 bis 70 Prozent ihrer Nennleistung an einen Pufferspeicher ab, von dort wird das Heizsystem gespeist.
Mit der Einhaltung der 65-Prozent-Regel des GEG wird Holz als erneuerbarer Energieträger angerechnet, wenn die Feuerstätte die geforderten Emissionswerte einhält und der Brennstoff aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. So lässt sich der Kachelofen auch als Teil der Gesamtversorgung planen und nicht nur als schmückendes Beiwerk.
Planung im Neubau richtig angehen
Die Integration beginnt schon im Rohbau: Ein Grundofen wiegt je nach Bauart 800 bis 2000 Kilogramm, so dass die Statik des Aufstellortes rechtzeitig geklärt werden muss. Der Schornsteinquerschnitt richtet sich nach der Nennwärmeleistung des Heizeinsatzes und wird über eine Querschnittsberechnung ermittelt. Zuluftführung, Brandschutzabstände zu brennbaren Bauteilen, Lage des Verbindungsstücks zur Abgasanlage gehören zur Detailplanung.
Der zuständige Bezirksschornsteinfeger prüft die Anlage vor der Inbetriebnahme und bescheinigt die Abnahme. Wer diese Dinge rechtzeitig mit Ofenbauer, Architekt und Haustechnikplaner abstimmt, erspart sich spätere Nachrüstungen und legt den Grundstein für eine Feuerstätte, die sowohl technisch als auch rechtlich langfristig Bestand hat.
