- Um einen Kamin herum muss der Estrich eine Dehnungsfuge haben, damit sich der Schacht ungehindert ausdehnen kann
- Die Fuge läuft ringsum um den Kaminschacht, 10–15 mm breit, komplett durch den Estrich bis zum Trennlagenanschluss
- Dehnungsband oder Randdämmstreifen als Fugenmaterial verwenden, kein starres Material
- Die Fuge muss nach oben sichtbar bleiben und mit einem dauerelastischen Fugendichtstoff verschlossen werden
- Fehlende oder falsch ausgeführte Kamin-Dehnungsfugen führen zu Rissen im Estrich
Ein Kaminschacht aus Mauerwerk oder Fertigteilen und ein Zementestrich nebeneinander sind ein bauphysikalisches Problem: Der Schacht dehnt sich bei Wärme aus, der Estrich macht das aber durch seine Bewehrung und Verbindungen nicht mit. Ohne Dehnungsfuge drückt der Kamin auf den Estrich und erzeugt Risse, oft im schlimmsten Moment: mitten im Wohnzimmer.
Warum braucht der Kamin eine Dehnungsfuge im Estrich?
Ein Kaminschacht aus Betonstein oder Mauerwerk nimmt bei Betrieb erhebliche Temperaturunterschiede auf. Die Außenoberfläche des Schachts erwärmt sich durch die Rauchgase und dehnt sich aus. Ein Schacht aus Mauerwerk hat einen Längenausdehnungskoeffizient von ca. 0,006–0,01 mm pro Meter und Kelvin Temperaturänderung. Bei einem 3-Meter-Schacht und 100 K Temperaturerhöhung bedeutet das eine Ausdehnung von 1,8–3 mm.
Wenn der Estrich starr gegen den Schacht zieht, entstehen Zwangsspannungen, die Risse erzeugen oder den Belag beschädigen. Die Dehnungsfuge gibt den notwendigen Spielraum.

Ausführung der Dehnungsfuge
Die Fuge läuft ringsum um den Kaminschacht, auf Abstand von 5–10 mm zur Schachtwand. Sie muss komplett durch den Estrich gehen, also von der Estrichoberseite bis zur Trennlage auf der Rohdecke. Eine nur halb durchgehende Fuge funktioniert nicht.
Fugenbreite: DIN 18560 empfiehlt 10 mm, mindestens 5 mm. In der Praxis werden 10–15 mm eingebaut.
Material für die Fuge: Das klassische Material ist ein Dehnungsband aus Schaumstoff (Polyethylen-Schaum, PE-Schaum) oder ein komprimiertes Dichtband. Kein Holz, kein starrer Füller. Das Material muss kompressibel sein und die Bewegungen aufnehmen können.
Schritt-für-Schritt: Dehnungsfuge beim Estrich einbauen
Beim Neubau: Bevor der Estrich eingebracht wird, das Dehnungsband oder den Randdämmstreifen rings um den Kaminschacht hoch- und anlegen. Das Band haftet an der Schachtwand, der Estrich kommt dann darangedrückt. Das Band verhindert Verbindung.
Bei bestehendem Estrich ohne Fuge: Die Fuge kann nachträglich mit einer Trennscheibe (Winkelschleifer) eingeschnitten werden. Schnittbreite 10 mm, Tiefe bis durch den gesamten Estrich. Schnittflächen reinigen, PE-Schaum-Streifen einlegen und bündig zur Oberfläche abschneiden. Oben mit dauerelastischem Dichtstoff (Silikonsandwich: Silikon, Hinterlegungsschnur, Silikon) verschließen.
Deckbelag über der Dehnungsfuge
Die Fuge muss auch durch den Deckbelag (Fliesen, Parkett) hindurchgeführt werden. Bei Fliesen: Die Fuge mit dem gleichen Muster wie die Fliesenfuge anlegen, aber mit elastischem Fugenmörtel (nicht mit normalem Fugenmörtel starr verschließen). Bei Parkett oder Laminat: Ein Übergangsprofil mit elastischer Einlage verwenden.
Fazit
Die Dehnungsfuge um den Kaminschacht ist eine kleine aber wichtige Detail-Maßnahme. Sie gehört bei jedem Estrich mit Kaminanschluss dazu. Die Ausführung ist nicht kompliziert: Dehnungsband ringsum anlegen vor dem Estrich, oder Fuge nachträglich einschneiden und mit elastischem Dichtstoff verschließen. Ohne diese Fuge sind Risse nur eine Frage der Zeit.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich die Kamin-Dehnungsfuge nachträglich einbauen wenn der Estrich schon verlegt ist?
Ja, mit einem Winkelschleifer und einer Trennscheibe lässt sich die Fuge nachträglich einschneiden. Breite 10 mm, Tiefe durch den gesamten Estrich. Danach reinigen, Hinterlegungsschnur einlegen und mit dauerelastischem Silikon oder Polyurethan-Dichtstoff verschließen.
Muss die Fuge auch zwischen Kamin und Wand sein?
Wenn der Kaminschacht an eine Wand stößt, muss dort ebenfalls eine Dehnungsfuge sein. In diesem Fall meist durch ein elastisches Anschlussband beim Putz und einen elastischen Wandanschluss-Dichtstoff gelöst.
Welcher Dichtstoff eignet sich für Kamin-Dehnungsfugen?
Dauerelastische Dichtstoffe aus Silikon oder Polyurethan (PU). Achte auf Hochtemperatur-Eignung wenn die Kaminoberfläche sich stark aufheizt. Normal-Bausilikone sind bis 150°C beständig, für heiß laufende Kamine gibt es hitzebeständige Dichtstoffe bis 300°C.
Wie breit muss die Dehnungsfuge sein?
DIN 18560 gibt 10 mm als Richtwert an, mindestens 5 mm. In der Praxis werden 10–15 mm eingebaut. Breiter ist besser als schmäler, da die Fuge die gesamten Ausdehnungen aufnehmen muss.
