
Wer mit 40 oder 50 ein Haus baut, denkt selten an Rollator, Treppenlift oder Haltegriffe. Das ist verständlich, aber teuer. Denn was in der Planungsphase kaum Mehrkosten verursacht, wird im Nachhinein schnell fünfstellig. Ein komplett barrierefreies Bad kostet im Bestand je nach Umfang und Ausstattung schnell einen fünfstelligen Betrag, und auch eine einzelne Türverbreiterung geht ins Geld.
Im Neubau entstehen diese Kosten zum großen Teil gar nicht erst, wenn Grundriss, Türen und Bad von Beginn an richtig dimensioniert werden.
Die Norm als Orientierung
Maßgeblich für barrierefreies Wohnen ist die DIN 18040-2. Sie definiert Planungsgrundlagen für Wohnungen mit konkreten Maßen für Türen, Flure, Bäder und Bewegungsflächen. Für private Bauherren ist sie keine Pflicht, aber ein verlässlicher Leitfaden.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Stufen: Barrierefreie Räume brauchen Bewegungsflächen von 120 × 120 Zentimetern, rollstuhlgerechte Räume 150 × 150 Zentimeter. Wer unsicher ist, welche Stufe später nötig sein könnte, plant im Zweifel großzügiger. Ein paar Quadratmeter mehr im Bad sind im Neubau günstiger als jeder spätere Umbau.
Die wichtigsten Punkte im Überblick
Schwellenlose Übergänge. Keine Stufen zwischen Räumen, keine hohen Türschwellen, ebenerdiger Zugang zur Terrasse. Das erfordert einen angepassten Bodenaufbau und muss früh mit dem Architekten abgestimmt werden.
Breite Türen und Flure. Türen mit mindestens 90 Zentimetern lichter Breite und Flure, in denen sich auch mit Gehhilfe wenden lässt, kosten im Neubau kaum mehr als Standardmaße.
Bodengleiche Dusche. Sie ist das Herzstück eines zukunftsfähigen Bades. Nach DIN 18040-2 misst sie mindestens 120 × 120 Zentimeter, ist stufenlos und fachgerecht abgedichtet. Werden zusätzlich die Wände bereits im Rohbau verstärkt, lassen sich Haltegriffe später jederzeit ohne Aufwand montieren.
Wohnen auf einer Ebene. Schlafzimmer, Bad und Küche im Erdgeschoss machen ein Haus auch dann noch bewohnbar, wenn Treppen zum Hindernis werden. Wer zweigeschossig baut, kann zumindest ein Arbeitszimmer im Erdgeschoss so planen, dass es sich später zum Schlafzimmer umnutzen lässt.
Platz für einen Aufzug. Bei Neubauprojekten sollte ein Aufzugschacht oder zumindest die Möglichkeit für einen Treppenlift von Anfang an eingeplant werden. Eine gerade Treppe ohne Wendelung erleichtert die spätere Nachrüstung erheblich.
Technik mitdenken
Barrierefreiheit endet nicht bei Maßen und Schwellen. Ausreichend Steckdosen in erreichbarer Höhe, Lichtschalter auf etwa 85 Zentimetern, Bewegungsmelder im Flur und eine gute Grundbeleuchtung erhöhen die Sicherheit im Alltag. Auch eine vorbereitete Verkabelung für Smart-Home-Funktionen lohnt sich, etwa für automatische Rollläden oder eine zentrale Lichtsteuerung.
Baulich lässt sich viel vorbeugen, aber nicht jedes Risiko ausschließen. Stürze gehören zu den häufigsten Unfällen im höheren Alter. Ergänzend zur Architektur setzen deshalb viele Familien auf eine Notfalluhr für Senioren, die per Knopfdruck Angehörige alarmiert und über GPS den Standort übermittelt, im Haus ebenso wie beim Spaziergang durch das Wohngebiet. Barrierefreies Bauen und ein zuverlässiges Notrufsystem ergänzen sich so zu einem Konzept, das Selbstständigkeit möglichst lange erhält.
Förderung und Beratung
Zinsgünstige Kredite der KfW für den Abbau von Barrieren gibt es für Maßnahmen an bestehenden Wohngebäuden, Zuschussprogramme sind dagegen häufig ausgeschöpft oder zeitweise ausgesetzt. Die Konditionen ändern sich regelmäßig, daher lohnt sich vor Baubeginn ein Blick auf den aktuellen Stand. Wichtig: Förderanträge müssen in der Regel vor der Auftragsvergabe gestellt werden.
Der wertvollste Schritt ist ohnehin kostenlos: das Thema frühzeitig beim Architekten ansprechen. Wer bei der Planung fragt, wie das Haus in 25 Jahren genutzt werden soll, baut nicht nur für die Gegenwart, sondern für ein ganzes Leben.
