Du willst Alkydharzlack mit der Spritzpistole verarbeiten, fängst eine streichbare Konsistenz oder hast einen alten Lack, der eingedickt ist? Das richtige Verdünnen ist entscheidend. Falsches Lösungsmittel oder zu viel davon und der Lack verliert seine Eigenschaften – schlechte Haftung, lange Trocknung, sichtbare Pinselspuren.
In dieser Anleitung erfährst du alles, was du zum Verdünnen von Alkydharzlack wissen musst. Welches Lösungsmittel passt, welches Mischverhältnis funktioniert und was du beim Mischen beachten musst.
Das Wichtigste in Kürze
- Verdünner: Terpentinersatz (Testbenzin) oder spezieller Lackverdünner.
- Streichen: Etwa 5-10 % Verdünner zugeben.
- Rollen: Bis zu 10 % Verdünner.
- Spritzen: 15-25 % Verdünner, je nach Spritzgerät.
- Achtung: Niemals Wasser oder Nitroverdünnung – das zerstört Alkydharzlack.
Was ist Alkydharzlack?
Alkydharzlack ist ein klassischer Buntlack auf Lösungsmittelbasis. Er trocknet durch Verdunstung und chemische Vernetzung, ist sehr widerstandsfähig und wird häufig für Türen, Fenster, Heizkörper und Möbel verwendet. Im Vergleich zu Acryllack ist er robuster, hat aber einen stärkeren Geruch und erfordert lösungsmittelhaltige Reinigung des Werkzeugs.
Mit der Zeit kann Alkydharzlack eindicken – im Eimer durch Verdunstung des Lösungsmittels, beim Spritzlackieren weil das Spritzgerät bestimmte Viskositäten braucht. In beiden Fällen ist Verdünnen die Lösung.
Das richtige Verdünnungsmittel
Terpentinersatz (Testbenzin)
Das Standard-Verdünnungsmittel für Alkydharzlack. Verdunstet langsamer als Nitroverdünnung, sorgt für gute Verteilung und gleichmäßige Trocknung. Im Baumarkt für 5-10 Euro pro Liter.
Lackverdünnung (Spezialverdünner)
Speziell auf Alkydharzlacke abgestimmte Verdünner vom Hersteller. Etwas teurer (10-20 Euro pro Liter), aber präzise auf den jeweiligen Lack abgestimmt. Bei Premium-Lacken die beste Wahl.
Was du nicht verwenden darfst
- Wasser: Mischt sich nicht mit Alkydharzlack, der Lack fällt aus.
- Nitroverdünnung: Greift die Alkydharzstruktur an, der Lack wird unbrauchbar.
- Aceton: Zu aggressiv, zerstört das Bindemittel.
- Universalverdünnung: Funktioniert manchmal, ist aber nicht zuverlässig.
Mischverhältnis je nach Anwendung
Streichen mit Pinsel
Für die meisten Streicharbeiten brauchst du keinen Verdünner. Wenn der Lack zu zäh ist, gibst du 5-10 % Terpentinersatz zu (also 50-100 ml pro Liter). Das verbessert die Verlaufeigenschaften.
Rollen mit Lammfellrolle
Beim Rollen kannst du etwa 10 % Verdünner zugeben, damit der Lack besser von der Rolle abgegeben wird. Wichtig: Nicht zu dünn, sonst tropft es.
Spritzen mit HVLP-Pistole
HVLP-Pistolen (High Volume Low Pressure) brauchen einen dünnflüssigeren Lack. 15-20 % Verdünner sind normal. Mit einem Viskositätsmessbecher (DIN 4) kannst du die Konsistenz exakt einstellen – meist liegt sie zwischen 25 und 35 Sekunden.
Spritzen mit Airless
Airless-Geräte verarbeiten den Lack meist unverdünnt oder mit maximal 5 % Verdünner. Konsultieren Sie immer das Datenblatt des Spritzgeräts und des Lacks.
Schritt-für-Schritt: Lack verdünnen
- Lack gut umrühren: Vor dem Verdünnen den Lack mindestens 3 Minuten gleichmäßig umrühren. Pigmente, die sich gesetzt haben, müssen wieder eingearbeitet werden.
- Menge bestimmen: Plane vorher, wie viel Lack du benötigst. Lieber etwas mehr ansetzen, denn Lacke aus unterschiedlich verdünnten Chargen haben leicht andere Eigenschaften.
- Verdünner abmessen: Mit einem Messbecher oder einer Spritze die genaue Menge Verdünner abmessen. Beispiel: 1 Liter Lack + 10 % Verdünner = 100 ml.
- Langsam einrühren: Den Verdünner langsam in den Lack einrühren, dabei kontinuierlich umrühren. Nicht schütteln, sonst entstehen Luftblasen.
- Konsistenz prüfen: Den Pinsel oder die Rolle eintauchen und an einem Karton oder einer Pappe testen. Die Konsistenz soll dünnflüssig genug für gute Verteilung sein, aber nicht so dünn, dass es tropft.
- Bei Bedarf nachjustieren: Lieber in kleinen Schritten weiter verdünnen als zu viel auf einmal.
Wie merke ich, dass der Lack richtig verdünnt ist?
- Pinselprobe: Der Lack fließt gleichmäßig vom Pinsel, hinterlässt aber keine Tropfen oder Nasenbildung.
- Viskositätsmessbecher (DIN 4): Bei 25-35 Sekunden Auslaufzeit ist die Konsistenz für Streichen ideal, bei 18-25 Sekunden für HVLP-Spritzen.
- Testanstrich auf Pappe: Der Lack verläuft gleichmäßig, ohne Pinselspuren oder Pfützen.
- Visuelle Prüfung: Wenn du den Pinsel hochhältst, sollten regelmäßige Tropfen ohne Faserspuren herabfließen.
Häufige Fehler
- Falsches Lösungsmittel: Wasser oder Nitroverdünnung zerstören den Lack.
- Zu viel Verdünner: Lack wird zu dünn, schlechte Deckkraft, sichtbare Streifen.
- Zu wenig Verdünner: Lack ist zäh, Pinselspuren bleiben sichtbar.
- Nicht gleichmäßig gemischt: Klumpenbildung oder ungleichmäßige Konsistenz.
- Bei kalten Temperaturen verdünnt: Verdünner und Lack vermischen sich schlechter. Lieber bei 18-22°C mischen.
Sicherheit beim Umgang mit Verdünnern
- Lüften: Beim Mischen und Verarbeiten ausreichend frische Luft.
- Atemschutz: Bei längerem Arbeiten oder schlecht gelüfteten Räumen Atemmaske mit Aktivkohlefilter.
- Hautschutz: Handschuhe und langärmliges Hemd.
- Entsorgung: Reste nicht in den Abfluss – Wertstoffhof oder Recyclinghof.
- Brandgefahr: Verdünner sind leicht entzündlich. Keine Zigaretten, kein offenes Feuer.
Fazit
Alkydharzlack verdünnen ist einfach, wenn du das richtige Lösungsmittel verwendest. Terpentinersatz oder Spezialverdünner sind die richtige Wahl, niemals Wasser oder Nitroverdünnung. Beim Streichen reichen 5-10 %, beim Rollen ähnlich, beim Spritzen je nach Gerät 15-25 %.
Wichtig ist saubere Arbeit: gut umrühren, genau abmessen, langsam einarbeiten. Lieber zu wenig als zu viel verdünnen – nachjustieren geht immer, zurück zu dick wird’s hingegen schwierig. Mit dem richtigen Mischverhältnis bekommst du eine perfekte, deckende Lackschicht ohne Pinselspuren.
Häufige Fragen
Womit verdünne ich Alkydharzlack richtig?
Mit Terpentinersatz (Testbenzin) oder dem speziellen Lackverdünner des Herstellers. Niemals Wasser, Aceton oder Nitroverdünnung.
Wie viel Verdünner brauche ich pro Liter Lack?
Streichen: 50-100 ml. Rollen: 80-100 ml. HVLP-Spritzen: 150-250 ml. Airless: maximal 50 ml.
Was tun, wenn der Lack zu zäh geworden ist?
Mit Terpentinersatz langsam verdünnen, dabei kräftig umrühren. Wenn der Lack komplett eingetrocknet ist, hilft kein Verdünner mehr.
Riecht stark – ist das normal?
Ja, Alkydharzlacke und ihre Verdünner riechen kräftig nach Lösungsmittel. Gute Lüftung und Atemschutz sind wichtig.
Wie lange ist verdünnter Lack haltbar?
Im verschlossenen Behälter wenige Tage bis Wochen. Verdünnter Lack neigt mehr zur Hautbildung als unverdünnter.
