Wer den Innenausbau in die eigenen Hände nimmt, steht schnell vor derselben Frage: Welches Werkzeug braucht man wirklich, und wo lässt sich Geld sparen, ohne dass die Arbeit darunter leidet? Dieser Beitrag zeigt, welche Geräte in dieser Bauphase tatsächlich fast täglich im Einsatz sind, warum das Zubehör oft wichtiger ist als die Maschine selbst, wie sich Sägeblätter, Bohrer und Befestigungsmittel passend zum jeweiligen Material auswählen lassen und woran man erkennt, dass ein Verschleißteil ausgetauscht werden sollte. Am Ende steht eine ehrliche Einschätzung dazu, was sich anzuschaffen lohnt und was man besser mietet.
Der Innenausbau stellt andere Anforderungen als der Rohbau
Im Rohbau darf es ruhig etwas gröber zugehen. Dort wird in Zentimetern gedacht, und kleine Abweichungen verschwinden später hinter Putz oder Estrich. Im Innenausbau ist das anders. Hier zählt der Millimeter, denn eine Fuge zwischen Türzarge und Wand oder ein schief gesetztes Regal fällt jedem sofort ins Auge. Wer bislang nur draußen gearbeitet hat, unterschätzt diesen Unterschied gerne.
Dazu kommt, dass im Innenausbau in Räumen gearbeitet wird, die oft schon teilweise fertig sind. Staub, Lärm und Kratzer sind hier ein echtes Thema. Deshalb lohnt es sich, von Anfang an sauber zu arbeiten: Böden abdecken, Türen abkleben, Staub direkt am Werkzeug absaugen. Das kostet am Anfang eine halbe Stunde und spart später einen ganzen Tag Reinigungsarbeit.
Auch die Reihenfolge der Arbeiten spielt eine größere Rolle, als viele Bauherren zunächst denken. Elektro und Sanitär kommen vor dem Verschließen der Wände, der Estrich vor dem Bodenbelag, der Anstrich meist vor der Endmontage von Leisten und Beschlägen. Wer sich vorab einen Überblick über die einzelnen Bauabschnitte verschaffen möchte, findet dazu ausführliche Ratgeber rund um Bauen und Sanieren. Erst wenn der Ablauf steht, lässt sich sinnvoll entscheiden, welches Werkzeug wann gebraucht wird.
Messen, Anzeichnen und Prüfen: die unterschätzte Grundlage
Die günstigsten Werkzeuge im Innenausbau sind gleichzeitig die wichtigsten. Ein stabiles Rollbandmaß, ein Gliedermaßstab, eine Wasserwaage von mindestens 60 Zentimetern Länge, ein Anschlagwinkel und ein einfacher Bleistift sind die Basis für alles Weitere. Wer daran spart, merkt es an jeder Ecke.
Bei der Wasserwaage lohnt sich ein kurzer Test vor dem Kauf oder vor dem ersten Einsatz: Man legt sie auf eine glatte Fläche, merkt sich die Position der Libelle und dreht sie anschließend um 180 Grad. Zeigt sie danach etwas anderes an, ist sie ungenau und taugt nicht für den Innenausbau. Für längere Strecken, etwa beim Anzeichnen einer Trockenbauwand über den ganzen Raum, ist ein Kreuzlinienlaser eine große Hilfe, aber kein Muss. Für eine gerade Linie zwischen zwei angezeichneten Punkten tut auch eine einfache Schlagschnur ihren Dienst.
Sägen ist die häufigste Arbeit im Innenausbau
Ob Gipskartonplatten, Sockelleisten, Laminat, Dachlatten oder Möbelplatten: Gesägt wird im Innenausbau ständig. Genau hier entscheidet sich auch, ob eine Arbeit sauber aussieht oder nachgearbeitet werden muss.
Die Handkreissäge und ihr Sägeblatt
Die Handkreissäge ist im Innenausbau das Arbeitspferd für gerade Schnitte. Wichtiger als die Maschine ist jedoch das Blatt, das darauf sitzt. Viele Sägen werden mit einem groben Standardblatt ausgeliefert, das für Bauholz gedacht ist. Für Laminat, beschichtete Spanplatten oder Möbelbauplatten ist es die falsche Wahl, weil die Oberfläche an der Schnittkante ausbricht.
Als Faustregel gilt: je mehr Zähne, desto feiner der Schnitt, aber desto langsamer der Vorschub. Ein Blatt mit rund 24 Zähnen ist für zügige Schnitte in Konstruktionsholz gedacht, während Blätter mit 40 bis 60 Zähnen für saubere Schnitte in Plattenmaterial gemacht sind. Zähne aus Hartmetall halten dabei deutlich länger als solche aus reinem Werkzeugstahl, was sich vor allem bei Spanplatten mit ihren Leimanteilen bemerkbar macht. Wer regelmäßig mit Plattenmaterial arbeitet, fährt mit HM-Sägeblättern mit der passenden Zähnezahl deutlich besser als mit einem einzigen Universalblatt für alles.
Achten Sie beim Kauf auf drei Angaben: den Außendurchmesser, die Bohrung in der Mitte und die Schnittbreite. Diese Werte stehen auf dem alten Blatt und meist auch auf dem Typenschild der Maschine. Ein Blatt mit zu großem Durchmesser passt nicht mehr unter die Schutzhaube, und eine abweichende Bohrung lässt sich nur mit dem passenden Reduzierring ausgleichen.
Ein stumpfes Blatt erkennt man übrigens weniger am Aussehen als am Verhalten der Säge. Wenn man stärker drücken muss als früher, wenn das Holz an der Schnittkante braune Brandspuren zeigt oder wenn die Maschine hörbar langsamer wird, ist der Zeitpunkt zum Wechseln gekommen. Weiterarbeiten belastet den Motor und macht das Ergebnis nicht besser.
Stichsäge, Handsäge und Multitool
Für Ausschnitte, Rundungen und alles, was nicht gerade ist, kommt die Stichsäge zum Einsatz. Auch hier gilt: Das Blatt macht den Unterschied. Ein feines Blatt mit vielen Zähnen liefert saubere Kanten in Holz und Kunststoff, ein grobes arbeitet schneller, lässt die Kanten aber ausreißen. Wer die Oberseite eines Werkstücks makellos halten will, arbeitet mit einem Blatt mit umgekehrter Zahnrichtung oder sägt schlicht von der Rückseite.
Eine gute Handsäge sollte man trotzdem im Haus haben. Für einen einzelnen Schnitt an einer Leiste ist sie oft schneller einsatzbereit als jede Maschine. Das Multitool wiederum ist der Retter an beengten Stellen, etwa wenn eine Türzarge gekürzt oder ein Stück Bodenbelag entlang der Wand herausgetrennt werden muss.
Bohren und Befestigen: der Untergrund bestimmt alles
Beim Bohren machen die meisten Fehler nicht die Maschine, sondern die falsche Kombination aus Bohrer, Dübel und Untergrund. Ein Bohrer für Holz hat eine Zentrierspitze und schneidet, ein Steinbohrer hat eine breitere Hartmetallschneide und zertrümmert das Material im Zusammenspiel mit dem Schlagwerk. Vertauscht man beides, wird das Loch entweder unsauber oder gar nicht erst fertig.
Für Ziegel und Kalksandstein reicht meist eine Schlagbohrmaschine, für Beton ist ein Bohrhammer die deutlich angenehmere Wahl. Die folgende Übersicht zeigt, welches Werkzeug zu welchem Untergrund passt.
| Untergrund | Passendes Werkzeug oder Befestigungsmittel | Worauf zu achten ist |
| Holz und Holzwerkstoffe | Holzbohrer, Sägeblatt mit Hartmetallzähnen | Ohne Schlagfunktion arbeiten, sonst reißt die Oberfläche aus |
| Gipskarton | Hohlraum- oder Kippdübel | Schwere Lasten möglichst an der Unterkonstruktion befestigen |
| Ziegel, Kalksandstein und Beton | Steinbohrer, bei Beton mit Hammerfunktion | Das Bohrloch vor dem Setzen des Dübels säubern |
| Fliesen | Fliesenbohrer | Schlagfunktion ausschalten und die Bohrstelle abkleben |
Ein Punkt wird häufig übersehen: Das Bohrloch muss vor dem Setzen des Dübels frei von Bohrmehl sein. Bleibt der Staub im Loch, kann sich der Dübel nicht richtig verspreizen und die Befestigung hält nur einen Bruchteil dessen, was sie halten sollte. Ein kräftiger Luftstoß oder ein kurzer Zug mit dem Staubsauger genügt.
Bei Gipskarton gilt eine eigene Regel. Leichte Dinge wie Bilder lassen sich mit Hohlraumdübeln befestigen, für Hängeschränke, Waschbecken oder Fernsehhalterungen ist die Beplankung allein nicht gedacht. Solche Lasten gehören an die Unterkonstruktion oder an eine eingebaute Traverse. Wer beim Bau der Wand notiert, wo die Ständer sitzen, spart sich später viel Sucherei.
Schleifen und die Vorbereitung der Oberflächen
Beim Streichen und Lackieren entscheidet die Vorarbeit über das Ergebnis. Geschliffen wird in Stufen: grobes Papier trägt ab, feines Papier glättet. Für gespachtelte Fugen im Trockenbau ist eine mittlere Körnung passend, vor dem letzten Anstrich einer Holzoberfläche greift man zu deutlich feinerem Papier. Zwischen den Durchgängen sollte der Staub immer entfernt werden, sonst verkratzt das lose Korn die Fläche wieder.
Ein Handschleifklotz gehört in jede Werkzeugkiste, weil er den Druck gleichmäßig verteilt. Beim Schleifen mit der bloßen Hand entstehen leicht Mulden, die man erst nach dem Anstrich sieht, wenn es zu spät ist. Beim Schleifen von Spachtelmasse entsteht sehr feiner mineralischer Staub, der sich im ganzen Haus verteilt. Ein Schleifer mit Staubabsaugung ist deshalb keine Bequemlichkeit, sondern eine sinnvolle Investition.
Schutzausrüstung gehört zur Grundausstattung
Eine Handkreissäge oder ein Bohrhammer erzeugen einen Lärmpegel, bei dem Gehörschutz nicht übertrieben, sondern notwendig ist. Gehörschäden entstehen schleichend und bilden sich nicht zurück. Ein einfacher Kapselgehörschutz kostet wenig und liegt im besten Fall dort, wo die Maschine steht, damit man ihn auch wirklich aufsetzt.
Genauso wichtig sind eine Schutzbrille beim Bohren über Kopf und eine Feinstaubmaske beim Schleifen oder Trennen mineralischer Baustoffe. Eine einfache Papiermaske gegen groben Staub reicht dafür nicht aus. Handschuhe sind beim Umgang mit Plattenmaterial und Blechkanten sinnvoll, beim Arbeiten an rotierenden Maschinen dagegen ausdrücklich nicht, weil sie eingezogen werden können. Wer viel kniet, etwa beim Verlegen von Bodenbelägen, wird Knieschoner nach dem ersten Tag nicht mehr missen wollen.
Verbrauchsmaterial ist der unterschätzte Kostenblock
Bei der Planung des Budgets denken die meisten an Maschinen. In der Praxis geht ein erheblicher Teil des Geldes für Dinge drauf, die sich verbrauchen: Schrauben, Dübel, Sägeblätter, Bohrer, Schleifpapier, Klebeband, Abdeckfolie, Kartuschen mit Kleber und Dichtstoff. Diese Posten summieren sich, weil man sie ständig nachkauft.
Hier lohnt es sich, in größeren Einheiten zu denken. Schrauben in gängigen Längen sind in der Großpackung pro Stück deutlich günstiger als in der kleinen Packung aus dem Baumarkt, und man steht nicht am Samstagnachmittag ohne Nachschub da. Bei Sägeblättern und Bohrern sollte man dagegen nicht am falschen Ende sparen: Ein hochwertiges Blatt hält ein Vielfaches länger und liefert dabei durchgehend saubere Schnitte, sodass die Kosten pro Schnitt am Ende niedriger liegen.
Ein zweiter Tipp aus der Praxis: Sortieren Sie Kleinteile von Anfang an in einen Sortimentskasten mit festen Fächern statt in Tüten. Die Zeit, die man auf einer Baustelle mit der Suche nach der richtigen Schraubenlänge verbringt, summiert sich erstaunlich schnell.
Was sich anzuschaffen lohnt und was nicht
Für einen einmaligen Innenausbau lohnt sich der Kauf vor allem bei Werkzeugen, die man danach weiter benutzt. Ein Akkuschrauber, eine Stichsäge, eine Handkreissäge, Messwerkzeug und eine Grundausstattung an Handwerkzeug bleiben im Haushalt nützlich. Bei Akkugeräten ist es sinnvoll, innerhalb eines Systems zu bleiben, damit Akkus und Ladegerät für mehrere Maschinen passen.
Anders sieht es bei Spezialgeräten aus, die nur für eine einzige Arbeit gebraucht werden. Eine Tauchsäge mit Führungsschiene, ein Bodenschleifer, eine Trockenbauschleifmaschine oder ein Bauentfeuchter sind Beispiele dafür. Diese Geräte mietet man besser für ein Wochenende, als sie zu kaufen und anschließend jahrelang im Keller stehen zu haben.
Und schließlich: Manche Arbeiten gehören schlicht in fachliche Hände. Elektroinstallationen und Eingriffe an Gasleitungen sind in Deutschland aus gutem Grund an Fachbetriebe gebunden. Wer hier selbst tätig wird, riskiert nicht nur den Versicherungsschutz, sondern im schlimmsten Fall deutlich mehr.
Fazit
Der Innenausbau in Eigenleistung scheitert selten an fehlenden Maschinen und häufig am falschen Zubehör. Wer sein Messwerkzeug ernst nimmt, Sägeblätter und Bohrer zum Material passend auswählt, Verschleißteile rechtzeitig tauscht und die Schutzausrüstung tatsächlich benutzt, kommt mit einer überschaubaren Grundausstattung sehr weit. Das gesparte Geld steckt man dann besser in gutes Verbrauchsmaterial als in die nächstgrößere Maschine.
