Du hast eine Wand mit Buntsteinputz und willst sie streichen – aus optischen Gründen oder weil der Putz unschön geworden ist? Bevor du den Pinsel ansetzt, gibt es einige Dinge zu klären. Buntsteinputz ist ein Spezialputz, der nicht einfach wie eine normale Wand behandelt werden kann. Mit der falschen Methode siehst du nach dem Streichen schlechter aus als vorher.
In dieser Anleitung erfährst du, ob Buntsteinputz überhaupt überstrichen werden kann, welche Vorbereitung nötig ist, welche Farben funktionieren und wie das Endergebnis am besten aussieht. Außerdem zeigen wir dir die Alternativen, falls Streichen nicht das richtige Mittel ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Möglich, aber anspruchsvoll: Buntsteinputz kann gestrichen werden, braucht aber spezielle Farben.
- Materialverbrauch: 2-3 Mal so viel Farbe wie bei einer glatten Wand.
- Vorbereitung: Wand säubern, Risse spachteln, Grundierung auftragen.
- Werkzeug: Pinsel und Lammfellrolle, kein Schaumstoff-Roller.
- Achtung: Strukturelle Optik des Putzes wird durch Streichen verändert.
Was ist Buntsteinputz?
Buntsteinputz besteht aus kleinen, oft farbigen Natursteinkörnern, die in einem Bindemittel eingebettet sind. Er wird als 1-2 mm dicke Schicht auf die Wand aufgetragen und hat eine raue, körnige Oberfläche. Sehr beliebt war er von den 70er-Jahren bis in die 90er, vor allem an Treppenhauswänden, Hauswänden und Eingangsbereichen.
Die typische Optik mit unregelmäßig verteilten Steinchen ist robust und pflegeleicht. Allerdings sammelt der Putz im Laufe der Jahre Schmutz, kann ausbleichen oder einfach nicht mehr zum eingerichteten Wohnstil passen. Dann stellt sich die Frage: Streichen oder lieber komplett entfernen?
Kann man Buntsteinputz streichen?
Ja, grundsätzlich geht das. Allerdings musst du dir bewusst sein:
- Die strukturelle Optik bleibt teilweise erhalten – das Streichen glättet nicht.
- Der Farbverbrauch ist deutlich höher als bei einer glatten Wand.
- Die feinen Zwischenräume zwischen den Steinchen sind schwer zu füllen.
- Das Streichen ist arbeitsintensiv und braucht Geduld.
- Das Ergebnis sieht oft nicht so professionell aus wie eine frisch verputzte Wand.
Wenn dir die Struktur des Buntsteinputzes nicht stört und du nur die Farbe ändern willst, ist Streichen eine gute Lösung. Wenn du eine glatte Oberfläche möchtest, musst du den Putz vorher abtragen oder zumindest mit Spachtelmasse überarbeiten.
Welche Farbe ist die richtige?
Standard-Dispersionsfarbe funktioniert auf Buntsteinputz nur eingeschränkt. Die kleinen Steinchen haben unterschiedliche Saugeigenschaften, das Bindemittel ebenfalls. Hier sind die geeigneten Farb-Optionen:
Silikatfarbe
Sehr gute Wahl für Buntsteinputz. Sie geht mit dem mineralischen Untergrund eine feste Verbindung ein und ist diffusionsoffen. Hält Jahrzehnte.
Silikonharzfarbe
Wasserabweisend, gut für Außenwände und feuchte Innenräume. Etwas teurer als Dispersion, aber widerstandsfähig.
Dispersionsfarbe (hochdeckend)
Funktioniert auf Buntsteinputz, braucht aber 2-3 Anstriche. Wähle eine besonders hochdeckende Variante mit Deckkraftklasse 1 oder 2.
Strukturfarbe oder Putzfarbe
Spezielle, dickflüssige Farben, die kleine Unebenheiten gut ausfüllen. Geben dem Buntsteinputz fast eine neue Oberflächenstruktur.
Vorbereitung der Wand
Reinigung
Buntsteinputz sammelt Staub und Spinnweben in den Zwischenräumen. Vor dem Streichen die Wand gründlich abbürsten oder absaugen (mit Bürstenaufsatz). Bei stark verschmutzter Wand mit feuchtem Schwamm und Allzweckreiniger nachwischen, anschließend trocknen lassen.
Risse und Schäden ausbessern
Sind einzelne Steinchen herausgefallen oder gibt es Risse im Putz? Diese Stellen mit Spachtelmasse oder Fugenmörtel auffüllen und trocknen lassen.
Grundierung
Eine Tiefengrund-Grundierung bindet eventuelle Staubreste und macht die Oberfläche aufnahmefähiger für die Farbe. Auf rauen Putzen besonders wichtig. Trocknungszeit beachten (meist 24 Stunden).
Werkzeug
- Lammfellrolle (lange Härchen, mindestens 12-18 mm Florlänge)
- Pinsel verschiedener Größen für Ecken und Ränder
- Farbwanne mit Abstreifgitter
- Klebeband und Abdeckfolie für Boden und angrenzende Flächen
- Teleskopstange für hohe Wände
Wichtig: Keine Schaumstoff-Rollen verwenden. Sie können die scharfkantigen Steinchen nicht erreichen und reißen außerdem schnell auf.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Boden und Möbel abdecken: Beim Streichen von Strukturputz fliegen mehr Tropfen weg als sonst.
- Ränder mit Pinsel: Erst alle Kanten, Ecken und Ränder mit dem Pinsel streichen.
- Fläche mit Rolle: Lammfellrolle gleichmäßig in die Farbe tauchen, am Abstreifgitter überschüssige Farbe abstreifen.
- Kreuzweise streichen: Erst vertikal, dann horizontal über die gleiche Fläche rollen. So füllst du die Zwischenräume besser.
- Mehrere Bahnen mit Überlappung: Jede neue Bahn etwa 5 cm überlappen, damit keine Streifen sichtbar werden.
- Zwischenpause: Erste Schicht 4-6 Stunden trocknen lassen.
- Zweiter Anstrich: Bei Bedarf einen zweiten Anstrich auftragen. Bei großen Farbwechseln oft auch ein dritter.
Wie viel Farbe brauche ich?
Bei glatten Wänden reichen 100 ml pro Quadratmeter und Anstrich. Bei Buntsteinputz brauchst du 200-300 ml pro Quadratmeter und Anstrich. Beispiel: Für 30 m² bei zwei Anstrichen rechnest du mit etwa 12-15 Litern Farbe.
Lieber etwas mehr kaufen als zu wenig – Nachkaufen mit anderer Charge führt zu sichtbaren Farbunterschieden.
Häufige Fehler
- Wand nicht entstaubt: Farbe haftet schlecht, blättert nach kurzer Zeit ab.
- Zu wenig Farbe pro Bahn: Schlechte Deckkraft, viele Anstriche nötig.
- Schaumstoff-Rolle verwendet: Erreicht die Vertiefungen nicht.
- Nicht kreuzweise gerollt: Die feinen Zwischenräume bleiben unverstrichen.
- Falsche Farbe gewählt: Dünne Wandfarbe ohne Deckkraft schlägt durch.
Wann ist Streichen keine gute Idee?
- Wenn du eine völlig glatte Optik willst – Streichen erhält die Struktur.
- Wenn der Putz sich bereits ablöst – dann hilft nur Entfernen und Neuverputz.
- Bei massiven Schäden oder Schimmel – Ursache muss zuerst behoben werden.
- Bei sehr großen Farbwechseln (dunkel auf hell) – kann teuer und nervig werden.
Alternative: Buntsteinputz entfernen
Wenn dir die Struktur des Buntsteinputzes nicht mehr gefällt, ist Entfernen die langfristig beste Lösung. Das geht mit einer Schlitzhacke, einer Spachtelmaschine oder einem Bohrhammer mit Meißelaufsatz. Anschließend wird die Wand neu verputzt und gestrichen.
Aufwand: Sehr hoch, viel Staub und Schmutz. Kosten beim Profi: 30-50 Euro pro Quadratmeter inklusive Entsorgung. Bei Eigenleistung deutlich günstiger, aber mit viel körperlicher Arbeit verbunden.
Fazit
Buntsteinputz lässt sich streichen, ist aber kein einfaches Projekt. Mit der richtigen Vorbereitung, passender Farbe und der korrekten Rolle kommst du zu einem ordentlichen Ergebnis. Wichtig ist, dass du genug Farbe einplanst und mit Geduld arbeitest.
Wenn du eine wirklich glatte Wand willst, ist Streichen die falsche Lösung. Dann musst du den Putz abtragen und die Wand neu verputzen lassen. Das ist aufwendiger, gibt aber das beste Ergebnis. Für eine reine Farbveränderung bei beibehaltenem Putz ist Streichen die schnelle und günstige Option.
Häufige Fragen
Wie viel Farbe brauche ich pro Quadratmeter?
Auf Buntsteinputz 200-300 ml pro Quadratmeter und Anstrich. Bei zwei Anstrichen also rund 400-600 ml pro Quadratmeter.
Welche Farbe deckt am besten?
Silikatfarbe und hochdeckende Dispersionsfarbe. Bei dunklen Wänden auf helle Streichvorhaben kann eine Grundierung mit hoher Deckkraft helfen.
Wie lange muss die Farbe trocknen?
Pro Anstrich 4-6 Stunden, vor weiterem Anstrich 24 Stunden für die volle Aushärtung.
Bleibt die Struktur erhalten?
Ja, die körnige Struktur bleibt nach dem Streichen sichtbar, nur eben in neuer Farbe.
Kann ich Buntsteinputz auch außen streichen?
Ja, aber nur mit Silikat- oder Silikonharzfarbe. Standard-Dispersionsfarbe ist für Außenwände nicht geeignet.
