- Zugluft beim Kamin bei laufender Ölheizung entsteht meist durch Unterdruck im Gebäude
- Ursache: Ölheizung und Kamin teilen denselben Schornstein oder es fehlt ausreichend Frischluft
- Lösung 1: Eigenen Schornstein für Kaminofen nutzen oder Zuluft von außen zuführen
- Lösung 2: Raumluftunabhängigen (RLU) Kaminofen einbauen, der Verbrennungsluft direkt von außen zieht
- Zugluft durch offenen Kamin ist ein Sicherheitsrisiko (CO-Rückstrom) und muss unbedingt behoben werden
Du zündest den Kaminofen an und kurz darauf zieht es aus dem Ofen heraus statt ins Feuer hinein? Bei laufender Ölheizung passiert das häufiger als man denkt. Das Haus erzeugt im Betrieb einen Unterdruck, der Außenluft ansaugt. Wenn der Kamin die einzige Öffnung ist, fließt Luft durch ihn herein statt Rauch heraus.
Warum entsteht Unterdruck im Haus?
Moderne, gut gedämmte und abgedichtete Häuser haben eine dichte Gebäudehülle. Wenn die Ölheizung läuft, verbraucht sie Luft für die Verbrennung: Ein Ölbrenner mit 20 kW braucht etwa 30–40 m³ Luft pro Stunde. Diese Luft muss von irgendwo kommen.
Ist das Haus zu dicht (keine Öffnungen, Dunstabzugshaube läuft zusätzlich), entsteht Unterdruck. Der Schornstein ist dann das Leck, durch das Außenluft einströmt. Bei geöffnetem Kaminofen fließt kalte Luft oben durch den Kamin herein.
Das ist nicht nur unangenehm. Wenn beim Kaminofen-Betrieb Abgase oder Kohlenmonoxid (CO) rückströmen, ist das ein ernstes Sicherheitsproblem.

Achtung: Gefahr
Zugluft am Kaminofen kann bedeuten, dass Abgase inklusive Kohlenmonoxid (CO) in den Wohnraum zurückströmen statt durch den Schornstein abzuziehen. CO ist geruchlos, farblos und kann schon in geringen Konzentrationen tödlich sein. Bemerkst du Zugluft am geöffneten oder laufenden Ofen, betreibe ihn nicht weiter und ziehe umgehend deinen Bezirksschornsteinfeger hinzu.
Diagnose: Woher kommt das Problem?
Teste zunächst: Öffne ein Fenster leicht und prüfe ob die Zugluft nachlässt. Wenn ja, ist Unterdruck die Ursache. Das Öffnen des Fensters gleicht den Druck aus.
Weitere Testmethode: Halte einen Streifen Seidenpapier vor den geschlossenen Kaminofen. Wird er hineingezogen (also in Richtung Kamin), zieht der Schornstein korrekt. Wird er weggedrückt, strömt Luft aus dem Schornstein heraus.
Lösung 1: Zuluftkanal für die Ölheizung
Die eleganteste Lösung: Für die Ölheizung einen dedizierten Zuluftkanal von außen einbauen. Damit bekommt der Brenner seine Verbrennungsluft direkt von draußen und erzeugt keinen Unterdruck im Wohnraum. Das ist besonders in neueren, dicht gebäudeten Häusern die richtige Maßnahme.
Kosten: 200–500 Euro für Kanal und Einbau durch einen Heizungsfachmann. Lohnt sich immer, wenn Unterdruck im Haus ein wiederkehrendes Problem ist.
Lösung 2: Raumluftunabhängigen Kaminofen nachrüsten
Raumluftunabhängige (RLU) Kaminöfen haben eine eigene Luftzufuhr von außen. Der Ofen zieht seine Verbrennungsluft durch ein Rohr direkt von außen und ist damit unabhängig vom Raumluftzustand.
Ob dein Ofen raumluftunabhängig sein muss, hängt vom Landesrecht ab: Das regeln die Feuerungsverordnungen der Bundesländer, und die unterscheiden sich im Detail. In der 1. BImSchV steht das jedenfalls nicht – die regelt laut ihrem § 1 die Beschaffenheit und den Betrieb von Feuerungsanlagen im Sinne des Immissionsschutzes, also Brennstoffe, Emissionsgrenzwerte und die wiederkehrende Überwachung. Kritisch wird es vor allem dann, wenn im Haus zusätzlich Geräte Luft absaugen – Dunstabzugshaube, Wäschetrockner oder eine kontrollierte Wohnraumlüftung. Dann kann eine Sicherheitseinrichtung nötig sein, etwa ein Unterdruckwächter oder ein Fensterkontaktschalter. Was in deinem Fall gilt, sagt dir verbindlich dein bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger – frag ihn, bevor du etwas einbaust.
Nachrüsten bedeutet: Ein Rohr (80–125 mm Durchmesser) durch die Außenwand bis zum Kaminofen legen. Das geht bei vielen Öfen auch nachträglich. Kosten für Material: 100–200 Euro, Einbau durch Schornsteinfeger oder Fachmann.
Lösung 3: Temporäre Abhilfe durch Lüften
Wenn du den Kaminofen anzünden möchtest, kurz ein Fenster öffnen bis das Feuer brennt und der Schornstein warm ist. Ein warmer Schornstein zieht besser und überwindet den Unterdruck. Danach kannst du das Fenster wieder schließen. Das ist keine Dauerlösung, hilft aber überbrückend.
Fazit
Zugluft beim Kamin bei laufender Ölheizung ist ein Unterdruckproblem, kein Kamin-Problem. Die sicherste und dauerhafteste Lösung ist ein raumluftunabhängiger Kaminofen oder ein separater Zuluftkanal für die Ölheizung. Wer das Thema nur kurzfristig lösen will, öffnet kurz ein Fenster beim Anzünden. Langfristig aber lohnt sich die technische Lösung, schon aus Sicherheitsgründen.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Zugluft beim Kamin gefährlich?
Ja, wenn dabei Kohlenmonoxid (CO) aus dem Schornstein in den Raum strömt. CO ist geruchlos und kann bei höheren Konzentrationen tödlich sein. Wer Zugluft beim Kamin bemerkt, sollte den Ofen nicht weiter betreiben und einen Schornsteinfeger hinzuziehen.
Kann ich selbst einen RLU-Kaminofen einbauen?
Den Ofen aufstellen kannst du selbst. Bevor du ihn in Betrieb nimmst, muss der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger die Anlage aber abnehmen und dir die sichere Benutzbarkeit bescheinigen – das verlangt das Bauordnungsrecht deines Bundeslandes über die jeweilige Feuerungsverordnung, nicht die 1. BImSchV. Sprich am besten schon vor dem Kauf mit ihm: Er sagt dir, ob dein Schornstein für den Ofen geeignet ist und was du beim Anschluss beachten musst. Später kommt er zusätzlich regelmäßig zur Emissionsmessung – das ist dann die 1. BImSchV.
Warum zieht mein Schornstein nach dem Anzünden gut aber nicht vorher?
Ein kalter Schornstein hat schlechten Auftrieb, weil die Luft darin noch kalt und schwer ist. Der richtige Weg: Zünde im Brennraum von oben an – Anzündhilfe oben auf den Holzstapel, nicht darunter. So wird der Zug schnell warm, und das Feuer kommt sauberer in Gang.
Mach dagegen kein Feuer im Schornstein selbst. Im Zug sitzen Rußablagerungen, und ein offenes Feuer kann sie entzünden – ein Rußbrand erreicht sehr hohe Temperaturen und kann den Schornstein zerstören. Das klassische Lockfeuer, das manche kennen, wird nicht „im Schornstein“ gemacht, sondern kontrolliert an der Reinigungsöffnung und setzt einen frisch gereinigten Zug voraus. Zieht dein Schornstein dauerhaft schlecht, ist das ohnehin ein Fall für deinen Bezirksschornsteinfeger: Er prüft Querschnitt, Höhe und Zustand und sagt dir, woran es liegt.
Teilen Ölheizung und Kaminofen denselben Schornstein?
Das sollten sie in modernen Anlagen nicht. Jede Feuerstätte sollte einen eigenen Schornsteinzug haben, um gegenseitige Beeinflussung zu vermeiden. Wenn beide denselben Zug nutzen, ist das ein Planungsfehler und muss durch den Schornsteinfeger bewertet werden.
